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Vier junge Schweizer starten internationales Stipendienjahr

Medienmitteilung
30.8.2016

Das Mercator Kolleg für internationale Aufgaben startet mit vier Schweizer Stipendiaten ins achte Programmjahr: Andrina Beuggert aus Ettenhausen (TG), Benjamin Gräub und Ivo Nicholas Scherrer aus Zürich sowie Tobias Sommer aus St. Gallen wurden für den Jahrgang 2016/2017 ausgewählt.

Soziale Innovationen, nachhaltige Landwirtschaft, erneuerbare Energien, grüne Finanzmarktpolitik: Mit diesen Themen setzen sich die vier neuen Schweizer Stipendiaten des Mercator Kollegs für internationale Aufgaben auseinander. Im September 2016 startet für den Jahrgang 2016/2017 das Programm mit einem zweiwöchigen Seminar in Essen und Berlin, wo sich die 24 Stipendiaten aus der Schweiz und aus Deutschland auf ihre Einsätze in aller Welt vorbereiten. Nicht nur ihre Fragestellungen haben die Programmteilnehmer selbst entwickelt, auch ihre Arbeitsstationen in internationalen Organisationen, global tätigen Nichtregierungsorganisationen oder Wirtschaftsunternehmen werden sie eigenverantwortlich organisieren. Dabei werden sie von der Programmleitung und den Rektoren des Mercator Kollegs unterstützt. Seminare zu internationalen Themen und zur Entwicklung von Führungs- und Schlüsselkompetenzen ergänzen das 13-monatige Programm.

Neuer Schweizer Rektor

Mit dem neuen Jahrgang beginnt auch ein neuer Schweizer Rektor seine Tätigkeit für das Mercator Kolleg: Georges Martin übernimmt dieses Amt von Dr. Jenö Staehelin, der sich seit Juni 2011 mit grossem Engagement für das Mercator Kolleg eingesetzt hat. Georges Martin war Botschafter in Indonesien und Kenia. Er war als Diplomat in Pretoria, Tel Aviv, Ottawa und Paris tätig. Beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten in Bern leitete er die Abteilung Sicherheitspolitik und Krisenmanagement der Politischen Direktion, zudem war er Chef des Zentrums für Analyse und prospektive Studien. Zurzeit ist Georges Martin Stellvertretender Staatssekretär im EDA. Zusammen mit Dr. Klaus Scharioth, dem Rektor des Mercator Kollegs aus Deutschland, wird er die Stipendiaten durch das Programm begleiten. „An dieser Aufgabe interessiert mich besonders der Austausch mit jungen Frauen und Männern, die die Welt von morgen mitgestalten werden“, sagt Botschafter Georges Martin. „Meine Generation hat wie jede andere die Verantwortung, ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiterzugeben. In diesem Sinne hat das Mercator Kolleg für mich eine schöne Brückenfunktion.“

Das Stipendienprogramm führen in der Schweiz die Stiftung Mercator Schweiz und die Schweizerische Studienstiftung in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten durch. In Deutschland sind es das Mercator Program Center for International Affairs, gefördert durch die Stiftung Mercator, und die Studienstiftung des deutschen Volkes in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt. Die vergangenen Jahre zeigen: Das Programm ist ein wertvoller Türöffner für berufliche Tätigkeiten im internationalen Umfeld. Ehemalige Stipendiaten arbeiten heute beispielsweise bei der DEZA, bei Save the Children, beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, bei Helvetas oder Swisspeace und im diplomatischen Dienst der Schweiz.

Die Schweizer Stipendiaten des Programmjahrs 2016/2017

Pro Jahr werden 24 Hochschulabsolventen in das Programm aufgenommen. Diese vier Schweizer nehmen am Programmjahr 2016/2017 des Mercator Kollegs teil:

Andrina Beuggert (26) aus Ettenhausen (TG)
Thema: Soziale Innovation – Bottom-Up- und Kollaborationsmodelle

Andrina Beuggert hat Entwicklungsstudien am Graduate Institute of International and Development Studies (IHEID) in Genf und Social Innovation Management in Nairobi studiert. Arbeitserfahrung gewann sie bei der Schweizer Regierung in Bangalore (Indien) und bei der Innovationsinitiative des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Genf. Andrina Beuggert ist Gründerin von Just Innovate, einer Organisation in Genf, die Studierende dabei unterstützt, soziale Innovationen zu entwickeln. Während ihres Kolleg-Jahres beschäftigt sie sich mit Bottom-Up- und Kollaborationsmodellen zur Förderung sozialer Innovationen.

Benjamin Gräub (30) aus Zürich
Thema: Participatory big data für die nachhaltige Landwirtschaft
Benjamin Gräub hat sich in den vergangenen sechs Jahren vertieft mit der nachhaltigen Landwirtschaft auseinandergesetzt. Zunächst auf der internationalen politischen Ebene (Rio+20) bei der Stiftung Biovision und anschliessend auf technischer und Feldebene bei der Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in Rom. Während seines Kolleg-Jahres geht Benjamin Gräub der Frage nach, wie die Analyse und Nutzung grosser Datenmengen über innovative Businessmodelle einen Beitrag zur nachhaltigen Landwirtschaft leisten kann. Er hat International Affairs & Governance sowie International Management in St. Gallen, Medellin (Kolumbien) und Barcelona (Spanien) studiert.

Ivo Nicholas Scherrer (28) aus Zürich
Thema: Neue Ko-Finanzierungsmechanismen für erneuerbare Energieinfrastrukturen

Als Kollegiat konzentriert sich Ivo Scherrer auf innovative Ko-Finanzierungsmechanismen zum Ausbau erneuerbarer Energien. In seiner bisherigen Laufbahn in der Beratung, in der Wissenschaft und bei Think Tanks hat er sich auf regulatorische und strategische Herausforderungen in Infrastrukturmärkten spezialisiert. Ivo Scherrer ist Co-Gründer eines aussenpolitischen Think Tanks und einer politischen Bewegung in der Schweiz. Er erwarb seinen Masterabschluss in Internationaler Wirtschafts- und Energiepolitik an der Sciences Po Paris sowie einen Master in internationalen Beziehungen an der Universität St. Gallen.

Tobias Sommer (30) aus St. Gallen
Thema: Klimawandel in der Finanzwelt: Lösungsansätze für die Carbon Bubble
Tobias Sommer hat Internationale Beziehungen und Volkswirtschaft am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf, an der Fletcher School of Law and Diplomacy in Boston sowie an der Freien Universität Berlin studiert. Erste Arbeitserfahrungen sammelte er als Hochschulpraktikant und Berater bei der Schweizerischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Nach seinem Masterabschluss war er für den Wirtschaftsverband swisscleantech als Analyst im Bereich Verkehrs-, Energie- und Klimapolitik tätig. Während des Kolleg-Jahres beschäftigt sich Tobias Sommer mit klimawandelbedingten Risiken in Finanzmärkten und den Chancen einer grünen Finanzmarktpolitik.

Erfahrungen der vier Stipendiaten des Programmjahrs 2015/2016

Die Schweizer Stipendiaten des aktuellen siebten Jahrgangs verfolgen zurzeit ihre Projekte in ihrer letzten Arbeitsstation. Im September 2016 endet ihr Kolleg-Jahr mit einer Seminarwoche in Berlin, wo sie sich unter anderem mit dem neuen Jahrgang austauschen und in einer Abschlussveranstaltung von ihren vielfältigen Erfahrungen berichten.

Florian Egli (27) aus Zürich ging während der vergangenen 13 Monate der Frage nach, wo und unter welchen Umständen neue klimafreundliche Technologien entstehen. Von September bis Dezember half er im Team Klimafinanzierung des Bundesamts für Umwelt dabei, die Schweizer Position in internationalen Gremien wie dem GEF, dem GCF und der UNFCCC zu entwickeln und zu vertreten. Ab Februar sammelte er drei Monate Felderfahrung im senegalesischen Umweltministerium. Mehrere Missionen ins Projektgebiet der panafrikanischen Wiederaufforstungsinitiative „Grande Muraille Verte“ führten zu einer interaktiven Online-Karte aller Aktivitäten, die für Planung und Evaluation genutzt wird. Für das Start-up Aggrigator, das Kleinbauern einen besseren Marktzugang ermöglicht, analysierte er die Umwelteffekte ihres Geschäftsmodells, insbesondere in Entwicklungsländern. Aktuell arbeitet er in London für den Think Tank E3G und untersucht die Kapazitäten von Investoren, zukünftige Richtlinien zur Veröffentlichung von Klima- und Umweltrisiken umzusetzen.

Florian Egli hat in Genf, Bern und Toulouse Ökonomie studiert. Für die OECD, für ein Beratungsunternehmen und das Graduate Institute (IHEID) arbeitete er zu den Themen Innovation, Technologiewandel und Umweltökonomie. Er ist Vorstandsmitglied des aussenpolitischen Think Tanks foraus und Mitbegründer der Global Shapers des World Economic Forums (WEF) in Bern.

Flavia Fries (29) aus Luzern beschäftigte sich während des Kolleg-Jahres mit der Frage, wie Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen, die in der globalen Produktion tätig sind, verbessert werden können. Sie startete das Jahr beim Danish Institute for Human Rights, wo sie eine Human-Rights-Impact-Assessment-Toolbox mitentwickelte. Zwischen Februar und Mai arbeitete sie in Mexiko für Flex, einen global tätigen Elektronikhersteller. Sie besuchte verschiedene Fabriken in Guadalajara und Aguascalientes, befragte Arbeiter und Management zu Arbeitsbedingungen und entwickelte ein Training zu Arbeitsrechten. Für die letzte Stage wechselte Flavia Fries zum niederländischen Sozialunternehmen Fairphone, das einen speziellen Fokus auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in seiner Lieferkette legt. Als Mitglied des Value-Chain-Teams entwickelte Flavia Fries Indikatoren, um den Fortschritt der verschiedenen Programme in diesem Bereich zu messen. Gleichzeitig koordinierte sie die Zusammenarbeit mit chinesischen Fabriken, die sich gemeinsam mit Fairphone für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen einsetzen.

Flavia Fries hat ein Doppelmasterstudium an den Universitäten Zürich und Maastricht mit dem Schwerpunkt öffentliches und internationales Recht und einer Spezialisierung in Menschenrechten absolviert. Nach dem Studium arbeitete sie in Zürich bei einer Beratungsfirma, die Unternehmen und öffentliche Institutionen zu sozialen und ökologischen Themen berät.

Patrick Renz (29) aus Sutz (BE) beschäftigte sich während des Kolleg-Jahres mit den Auswirkungen der momentanen Marktsituation für fossile Brennstoffe auf Energiesicherheit und eine nachhaltigere Energiepolitik in Südost- und Ostasien. Zu Beginn des Kolleg-Jahres hat er in der Ostasienabteilung der Asian Development Bank in Manila als Energy Specialist an der Realisierung von Investitionsprojekten in China und der Mongolei mitgearbeitet. Anschliessend ging er als Trade, Economics and Energy Fellow nach Washington D.C. zum National Bureau of Asian Research, wo er neben seiner Forschungstätigkeit unter anderem das Pacific Energy Summit in Singapur und den Energy Security Workshop in Washington D.C. mitorganisiert hat. Seit Juli 2016 arbeitet Patrick Renz als Energy Specialist bei der Weltbank in Jakarta und versucht dort den Subventionsabbau voranzubringen und Investitionen in Alternativen zu Kohle aufzuzeigen.

Patrick Renz absolvierte nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Bern einen Master in internationalen Beziehungen an der Tsinghua Universität in Peking. Erste Arbeitserfahrung sammelte er im Privatsektor als China Energy Security and Geopolitics Analyst für den China Oil&Gas Monitor von NewsBase und als Research Analyst der Frontier Services Group in Peking. Zudem ist er als Young Leader und Non-Resident Fellow beim Pacific Forum CSIS aktiv, hat das Young Leaders in Foreign and Security Policy Fellowship des GCSP in Genf erhalten und gründete die Plattform IR.Asia.

Tim Rutishauser (28) aus Zürich setzte sich während seines Stipendienjahres mit Mechanismen auseinander, die die humanitäre Nothilfe effektiver gestalten können. Dabei beschäftigte er sich insbesondere mit den Fragen, wie Monitoring und Evaluation (M&E) dabei helfen, effektivere Programme zu gestalten und inwiefern Geldtransfers statt Hilfsgüter in humanitären Krisensituationen den Betroffenen schnellere und bessere Möglichkeiten zur Hilfe bieten können. Bei der Polnischen Humanitären Hilfe (PAH) führte Tim Rutishauser ein M&E-System ein, um den Fortschritt und die Auswirkungen eines Nothilfeprogramms in der Ukraine zu messen. Beim Danish Refugee Council in Myanmar entwickelte er zwischen November und März einen Messrahmen, um die Situation in der Krisenregion Rakhine zu evaluieren. Von April bis Juni nutzte er beim Center for Humanitarian Dialogue in Genf eine Mapping-Software, um den Einfluss der Organisation auf Friedensbemühungen in Zentralasien darzustellen. Seit Juni arbeitet Tim Rutishauser bei der Schweizerischen Humanitären Hilfe des Bundes an der Frage, wie soziale Netzwerke für Geldtransfers während humanitären Krisen genutzt werden können, um eine effektivere und nachhaltigere Nothilfe zu leisten.

Tim Rutishauser hat einen Master in International Public Management an der Sciences Po Paris und einen Bachelor in International Economics an der Warsaw School of Economics absolviert, bevor er spezialisierende Trainings für humanitäre Nothilfe am Collaboration Centre der Chinesischen Universität Hong Kong besuchte. Er hat in Kambodscha an aktuellen Fragen der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Nothilfe gearbeitet. Dazu zählt die Weiterentwicklung der Disaster Risk Reduction Strategie für das französische Rote Kreuz.

Mehr Informationen

www.mercator-kolleg.ch 

Projektpartner

Die Schweizerische Studienstiftung fördert seit 25 Jahren besonders leistungsstarke, engagierte und breit interessierte Studierende an Hoch- und Fachhochschulen. Ziel der privaten gemeinnützigen Stiftung ist es, junge Menschen zu unterstützen, ihre Fähigkeiten verantwortungsbewusst in die Gesellschaft einzubringen. Die Geförderten der Schweizerischen Studienstiftung profitieren von einem interdisziplinären Bildungsprogramm, individuellem Mentoring, finanzieller Unterstützung sowie vielfältigen Vernetzungsmöglichkeiten.

Das Mercator Program Center for International Affairs (MPC) qualifiziert verantwortungsvolle und global denkende und handelnde Nachwuchskräfte für die internationalen Aufgabenfelder von morgen. Es bietet jungen Stimmen eine Plattform und unterstützt sie auf ihrem Weg durch gezielte Beratung, den Aufbau und die Pflege eines Alumni- und Expertennetzwerks und die Durchführung von Seminaren, Konferenzen und exklusiven Gesprächsrunden. Zur Nachwuchsförderung gehören sowohl mehrmonatige Intensivprogramme für Studierende und Graduierte als auch bilaterale Austauschprogramme für Young Professionals mit China und der Türkei. Das MPC ist eine Partnergesellschaft der Stifung Mercator mit Sitz in Essen.

Leistung, Initiative, Verantwortung: Unter diesem Motto fördert die Studienstiftung des deutschen Volkes junge Menschen mit hoher wissenschaftlicher oder künstlerischer Begabung, die, geleitet durch Neugier und Freude an der Erkenntnis, erfolgreich studieren und forschen, die aus eigenem Antrieb Ideen entwickeln und umsetzen und die bereit sind, für sich, für andere Menschen und die Welt, in der sie leben, Verantwortung zu übernehmen. Mit rund 11.500 Stipendiatinnen und Stipendiaten ist die Studienstiftung des deutschen Volkes das größte Begabtenförderungswerk in Deutschland und als einziges politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig. Die Studienstiftung fördert Begabung – für unsere Gesellschaft.

Die Stiftung Mercator ist eine private Stiftung, die Wissenschaft, Bildung und Internationale Verständigung fördert. Sie initiiert, entwickelt und finanziert gezielt Projekte und Partnergesellschaften in den Themenbereichen, für die sie sich engagiert: Sie will Europa stärken, Integration durch gleiche Bildungschancen für alle verbessern, die Energiewende als Motor für globalen Klimaschutz vorantreiben und kulturelle Bildung in Schulen verankern. Dem Ruhrgebiet, der Heimat der Stifterfamilie und dem Sitz der Stiftung, fühlt sie sich besonders verpflichtet.

Das Mercator Kolleg für internationale Aufgaben wird von den Stiftungen in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten und in Deutschland in Kooperation mit dem Auswärtigen Amtdurchgeführt.

Während des gemeinsamen Jahres erhalten die Kollegiatinnen und Kollegiaten Unterstützung durch das Netzwerk für internationale Aufgaben (nefia), ein lebendiges, weltweit aktives Netzwerk aus Alumni des Kollegs. Im Anschluss an das Kollegjahr engagieren sich viele von ihnen für nefia, um in Kontakt zu bleiben und gemeinsam Projekte und Ideen weiterzuverfolgen. 

Kontakt

Schweizerische Studienstiftung
Iris Schuler
Programmleitung
+41 44 233 33 02
iris.schuler@studienstiftung.ch

Stiftung Mercator Schweiz
Stefan Brunner
Projektmanager
+41 44 206 55 82
s.brunner@stiftung-mercator.ch

Projekt

Mercator Kolleg für internationale Aufgaben


Themenbereich

Verständigung

Handlungsfeld

Internationale Zusammenarbeit

Projektpartner

eigenes Projekt der Stiftung Mercator Schweiz

Förderbetrag

CHF 5'504'000

Förderlaufzeit

2009-2019