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Green Cotton

Wissenschaftler, Kleinbauern, Spinnereien und Textilhandel arbeiten im Projekt „Green Cotton“ zusammen, um neue Biobaumwollsorten zu züchten. Diese sind an die Anbaubedingungen in Zentralindien und an extreme Wetterbedingungen in Folge des Klimawandels angepasst.

Der Biolandbau verzichtet bewusst auf den Einsatz synthetischer Dünger und Pestizide. Der ressourcenschonende Biolandbau mit geschlossenen Kreislaufen ermöglicht eine umweltschonende Produktion ohne gesundheitliche Risiken und vermindert die Abhängigkeit der Kleinbauern von Krediten für Agrochemikalien. In Kombination mit fairem Handel trägt diese Anbauform zur Nachhaltigkeit in der Baumwollproduktion bei. Sie verbessert die Einkommens- und Ernährungssicherung von Kleinbauern und fördert die ländliche Entwicklung. 

Bioproduktion ist bedroht

Der weltweite Biobaumwollanbau erreichte 2009/2010 eine Produktion von 241 000 Tonnen Baumwollfasern. Über 80 Prozent der Biobaumwolle wurde in Indien produziert und bot über 200‘000 Kleinbauern mit durchschnittlich ein bis zwei Hektar Land in heissen und trockenen Regionen eine echte Einkommensgrundlage. Doch die Zukunft der Biobaumwollproduktion ist durch die rasante Ausdehnung von gentechnisch veränderter Baumwolle bedroht. Bereits in den Jahren 2011/12 kam es zu einem Rückgang von über 30 Prozent der Biobaumwollanbaufläche in Indien: Die Vermischung der Biobaumwolle mit gentechnisch veränderter Baumwolle führt zur Aberkennung des Biolabels. Eine konsequente Trennung und Qualitätssicherung der gesamten Produktionskette bedeutet grosse Mehrkosten. Zudem konzentrieren sich Saatgutvermehrung und Züchtung von Baumwolle fast ausschliesslich auf gentechnisch veränderte Hybridsorten für Anbaubedingungen mit hohem Input an Dünger, Pestiziden und Bewässerung. Einheimische Bauwollarten, die an marginale Standorte angepasst sind, werden vernachlässigt. Bioproduzenten in Indien sind mit einem akuten Mangel an gentechnikfreiem Saatgut konfrontiert und vom Zuchtfortschritt abgeschnitten.

Aufbau einer dezentralen Baumwollzüchtung

Dieser Herausforderung begegnet das Projekt „Green Cotton“: Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick baut gemeinsam mit den indischen Biobaumwollorganisationen bioRe India und chetna organics (diese arbeiten jeweils mit 4300 beziehungsweise 1200 Kleinbauern in Zentralindien zusammen) und mit der landwirtschaftlichen Universität Dharwad eine dezentrale Baumwollzüchtung auf, die gentechnikfrei bleibt und den Bedürfnissen des ökologischen und Low-Input-Anbaus entspricht. In einem transdisziplinaren Ansatz werden Kleinbauern, Züchter, Forscher, Anbauberater, Spinnereien und der Textilhandel von Beginn an in diesen Prozess involviert.

Anpassung an den Klimawandel

Der dezentrale und partizipative Ansatz des Projekts gewährleistet, dass eine Vielzahl genetisch diverser Sorten entsteht, die an die jeweiligen Anbaubedingungen angepasst sind und die Zuchtziele sowohl die Interessen der Kleinbauern als auch den Bedürfnissen der Textilindustrie entsprechen. Die Kleinbauern werden in die Lage versetzt, die für sie am besten geeigneten Sorten selbst zu erkennen, zu züchten und zu vermehren. Dieser Züchtungsansatz stellt ein Modell dar, wie mit überschaubaren Investitionen verbesserte Sorten entwickelt, die Vielfalt auf dem Feld erhöht und somit die Anpassung an den Klimawandel verbessert werden kann. Dies ist ein sehr anspruchsvoller Ansatz, da es einen grossen Kooperations- und Trainingsaufwand beinhaltet. Er hat aber den Vorteil, dass die Umsetzung der neu gewonnenen Erkenntnisse schon während der Projektphase in die Praxis gewährleistet wird und zu nachhaltigeren und autonomen Problemlösungen führt.

Projektpartner

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) wurde 1973 gegründet und ist seit 1997 in Frick ansässig. Es ist weltweit eine der führenden Forschungseinrichtungen für biologische Landwirtschaft und beschäftigt über 175 Mitarbeiter. Die enge Verzahnung verschiedener Forschungsgebiete und der rasche Wissenstransfer von der Forschung zur Beratung und in die Praxis sind die Stärken des FiBL. Die Kompetenz des FiBL ist auch ausserhalb der Schweiz gefragt. Daher ist das FiBL international an zahlreichen Projekten beteiligt – sowohl in Forschung, Beratung und Weiterbildung als auch in der Entwicklungszusammenarbeit.

Neuigkeiten


Themenbereich

Umwelt

Handlungsfeld

Ökologische Landwirtschaft und Ernährung

Projektpartner

Forschungsinstitut für biologischen Landbau

Förderbetrag

CHF 623'500

Förderlaufzeit

2013-2016