Der erste Prototyp aus dem Ideen-Labor ist gestartet

Aktuelle Mitteilung
16.12.2020

Der Verein Mehr als zwei startet als erstes Projektteam aus dem Ideen-Labor der Stiftung Mercator Schweiz ihren Prototyp: Das Projekt «Lebensmittelabgabe 2.0» verbindet mit einer ortsunabhängigen Lebensmittelabgabe den Kampf gegen Foodwaste mit dem Engagement für Armutsbetroffene.

2,8 Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel werden jedes Jahr in der Schweiz weggeworfen. Zugleich sind 660‘000 Menschen von Armut betroffen. Ein Teil des Lebensmittelüberschusses wird bereits an armutsbetroffene Menschen gespendet. Während der Coronakrise stellte der Verein Mehr als zwei fest, dass das bestehende System lokaler Abgabestellen nicht ausreicht: «Die Abgabestellen haben Kapazitätsgrenzen, Bedürftige warten entsprechend lange auf eine Bezugskarte», erklärt Präsidentin Olivia Menzi. Vorstandsmitglied Karin Friedli betont, dass diese Stationen zudem nicht für alle Menschen zugänglich seien. «Viele Bedürftige können die Angebote nicht nutzen, weil ihre Mobilität eingeschränkt ist, oder weil sie während der Öffnungszeiten arbeiten. Während des Lockdowns waren Abgabestellen teilweise sogar geschlossen.»

Die Lebensmittelabgabe 2.0 macht überschüssige Lebensmittel unabhängig von Zeit, Ort und personellen Kapazitäten verfügbar. Gegen einen kleinen Unkostenbeitrag können armutsbetroffene Menschen ein Lebensmittelpaket aus überschüssigen Waren zu sich nach Hause bestellen. Das Paket enthält haltbare Produkte wie Reis oder Pasta und wird ergänzt durch lagerfähige Frischwaren wie beispielsweise Kartoffeln oder Kohl. Durch den Versand von Lebensmittelpaketen ergänzt die Lebensmittelabgabe 2.0 das bestehende System stationärer Abgabestellen. Zusätzlich zu den klassischen Spenden aus dem Detailhandel macht es überschüssige Lebensmittel aus Produktion und Industrie zugänglich.

Ideen-Labor «Lehren aus Corona»

Der Prototyp «Lebensmittelabgabe 2.0» ist im August/September 2020 während des Ideen-Labors der Stiftung Mercator Schweiz entstanden. Während des dreitägigen Workshops setzten sich zehn Teams mit Erfahrungen und Lehren aus der Coronakrise auseinander. Sie hatten sich mit konkreten Herausforderungen für das Ideen-Labor beworben, in dem sie unterstützt von den Innovationsexpert.innen von superloop innovation konkrete Lösungen entwickelten. Der Verein Mehr als zwei ging dem Problem der Zugänglichkeit von überschüssigen Lebensmitteln auf den Grund. Wie die anderen neun Teams erforschten sie «ihr» Problem, befragten ihre Zielgruppe und entwickelten einen bedürfnisorientierten Prototyp. Neben Mehr als zwei fördert die Stiftung Mercator Schweiz die Prototypen vier weiterere Teams: 

  • Die PH Graubünden möchte einen CoLearning Space für innovative Lehrpersonen schaffen.
  • okaj zürich, die Hochschule Luzern und die Gemeinde Wädenswil möchten mit dem Projekt «Wir machen Gemeinde» die soziokulturelle Gemeinwesenarbeit effizienter gestalten.
  • Pusch will die Lebenswelt junger Menschen mit Umweltthemen verknüpfen.
  • MYBLUEPLANET möchte mit einem «Climate Coach» Jugendliche bei der Erreichung ihrer persönlichen Klimaziele begleiten.

Die Lebensmittelabgabe 2.0 startet als erster Prototyp in die dreimonatige Testphase. Von Dezember 2020 bis Februar 2021 können bis zu 100 Haushalte alle zwei Wochen ein Lebensmittelpaket per Post bestellen. Während der Erprobungsphase werden auch Fragen zur Akzeptanz bei den Betroffenen, zur Zugänglichkeit und Warenauswahl sowie zur Skalierung des Projekts gestellt. Die Stiftung Mercator Schweiz fördert Mehr als zwei in der dreimonatigen Prototypphase, während die NPO Food-Care Ostschweiz, die Stiftung Egnach und die Schweizerische Post Mehr als zwei in der Lebensmittelbeschaffung, Konfektionierung und dem Versand unterstützen.

Mehr Informationen

Stiftung Mercator Schweiz
Larissa Seemann
Community- und Wissensmanagerin
+41 44 206 55 92
l.seemann@stiftung-mercator.ch