Erfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Zivilgesellschaft

Aktuelle Mitteilung
31.8.2016

Eine von der Stiftung Mercator Schweiz in Auftrag gegebene Studie zeigt: Es gibt eine Bereitschaft und einen Bedarf zur Zusammenarbeit von Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Doch damit gemeinsame Projekte gelingen, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein.

Eine grundsätzliche Herausforderung, die in der Studie der econcept AG deutlich wird, sind die unterschiedlichen Bedürfnisse von Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen (ZGO) mit Blick auf Forschungsprojekte: Die Wissenschaft bearbeitet oft sehr spezifische Fragestellungen, mit dem Ziel die Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu veröffentlichen. Das Hauptinteresse liegt in der  eigentlichen Forschung – und weniger an „Übersetzungsarbeiten“, um die Ergebnisse für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass insbesondere an Universitäten und ETHs die Anerkennung für die Zusammenarbeit mit der Praxis gering ist, was diese Form der Forschung erschwert.

Auch die Interessen und Möglichkeiten der ZGO stehen einer Zusammenarbeit mit der Wissenschaft oft im Weg. ZGO haben eher einen Bedarf an einer Übersicht zum aktuellen Forschungsstand als an einzelnen, sehr spezifischen Forschungsergebnissen. In ZGO engagierte Personen sind zwar oft grundsätzlich an Forschungsergebnissen interessiert, haben aber im Alltag meistens andere Prioritäten. Diese Problematik verstärkt sich, wenn das zivilgesellschaftliche Engagement ehrenamtlich erfolgt.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Die Befragung von 100 Wissenschaftlern und 150 Vertretern der Zivilgesellschaft zeigt, dass folgende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit entscheidend sind:

  • Es ist wichtig, dass sowohl ZGO wie auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Zusammenarbeit interessiert sind und daraus einen konkreten Nutzen ziehen können. Wenn ZGO nur als Forschungsgegenstand dienen, verursacht dies Unbehagen und Unmut. Die Ergebnisse dürfen weder zu spezifisch noch zu komplex sein und müssen für die ZGO im Alltag nützlich sein. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die involvierten Forschenden die Ergebnisse auch für ihre wissenschaftliche Arbeit nutzen können. Denn für ihre Glaubwürdigkeit brauchen sie Anerkennung in der Wissenschaftsgemeinschaft. Dies bedingt eine je nach Zielgruppe unterschiedliche Auf- und Weiterbearbeitung der Ergebnisse.
  • Der Zeitpunkt, wann ZGO in die Forschung einbezogen werden, ist massgebend. Wenn ZGO schon früh – möglichst schon in der Konzeptphase – einbezogen werden, kann das Projekt bereits bis zur Nutzung der Ergebnisse durchdacht werden und die verschiedenen gesellschaftlichen Bedürfnisse berücksichtigen. Das ist jedoch aufwändig und bedarf finanzieller und personeller Ressourcen.
  • Beidseitige realistische Erwartungen, eine klare Aufgaben- und Rollenverteilung, genügende personelle Ressourcen, ein positives Verhältnis von Aufwand und Ertrag, die langfristige Kontaktpflege der Beteiligten und natürlich eine ausreichende Finanzierung sind ebenso von Bedeutung.

Die Stiftung Mercator Schweiz wird basierend auf den Erkenntnissen und Empfehlungen der Studie die beteiligten Wissenschaftler und ZGO zu einer Netzwerkveranstaltung zusammenbringen, damit sie erörtern können, wie und zu welchen Themen sie zusammenarbeiten können. Zudem wird die Stiftung kontinuierlich bestehende Informations- und Austauschangebote bekanntmachen und bei Bedarf weitere Förder- und Informationsformate entwickeln.

Mehr Informationen

Studie der econcept AG: Zusammenarbeit von Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse

Kontakt

Stiftung Mercator Schweiz
Christoph Bossart
Wirkung und Prozesse
+41 44 206 55 92
c.bossart@stiftung-mercator.ch