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Fünf Schweizer Stipendiaten gehen internationalen Fragen nach

Medienmitteilung
29.9.2017

Für den Jahrgang 2017/2018 des Mercator Kollegs für internationale Aufgaben wurden fünf Schweizer Stipendiaten ausgewählt: Andrea Wehrli aus Aarau, Adrian Mattmann aus Hagendorn, Baptiste Vasey aus Genf, Carmen Iten aus Ettiswil sowie Nicolas Zahn aus Zürich.

Elektrifizierung, Mikrofinanzierung, nachhaltiges Abfallmanagement, E-Government, medizinische Grundversorgung: Mit diesen Themen setzen sich die fünf neuen Schweizer Stipendiaten des Mercator Kollegs für internationale Aufgaben auseinander. Im September 2017 startete für den Jahrgang 2017/2018 das Programm mit einem zweiwöchigen Seminar in Essen und Berlin, wo sich die 24 Stipendiaten aus der Schweiz und aus Deutschland auf ihre Einsätze in aller Welt vorbereiten. Nicht nur ihre Fragestellungen haben die Programmteilnehmer selbst entwickelt, auch ihre Arbeitsstationen in internationalen Organisationen, global tätigen Nichtregierungsorganisationen oder Wirtschaftsunternehmen werden sie eigenverantwortlich organisieren. Dabei werden sie von der Programmleitung und den Rektoren des Mercator Kollegs unterstützt. Seminare zu internationalen Themen und zur Entwicklung von Führungs- und Schlüsselkompetenzen ergänzen das deutsch-schweizerische Programm.

Das 13-monatige Stipendienprogramm führen in der Schweiz die Stiftung Mercator Schweiz und die Schweizerische Studienstiftung in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten durch. In Deutschland sind es die Stiftung Mercator und die Studienstiftung des deutschen Volkes in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt. Die vergangenen Jahre zeigen: Das Programm ist ein Türöffner für berufliche Tätigkeiten im internationalen Umfeld. Ehemalige Stipendiaten arbeiten heute beispielsweise bei der DEZA, beim Bundesamt für Umwelt, bei Helvetas oder im diplomatischen Dienst der Schweiz.

Die Schweizer Stipendiaten des Programmjahrs 2017/2018

Pro Jahr werden 24 Hochschulabsolventen in das Programm aufgenommen. Diese fünf Schweizer nehmen am Programmjahr 2017/2018 des Mercator Kollegs teil:

Carmen Iten (28) aus Ettiswil (LU)
Thema: Closing the Electrification Gap – das Potenzial von Mini-Grids basierend auf erneuerbaren Energien
Carmen Iten studierte Maschineningenieurwissenschaften an der ETH Zürich. Auslandsstudien führten sie an die University of California, Berkeley, und die Universitat Politècnica de València. Während ihrer zweijährigen Arbeit für ABB beschäftigte sie sich mit verschiedenen Themenfeldern wie Microgrids und Solarenergie. Zuvor sammelte sie Berufserfahrung bei der Boston Consulting Group, Siemens Thailand und einem amerikanischen Startup. Während ihres Kollegjahres wird sie sich mit Mini-Grids, die auf erneuerbaren Energien basieren, auseinandersetzen und deren Potenzial für die Elektrifizierung in Sub-Sahara Afrika untersuchen.

Adrian Mattmann (28) aus Hagendorn (ZG)
Thema: Innovative Technologien für Mikrofinanzierung
Adrian Mattmann beschäftigt sich in seinem Kollegjahr mit innovativen Modellen der Mikrofinanzierung mit besonderem Fokus auf Mobiltechnologien. Zuvor arbeitete er unter anderem beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten in Kanada, bei einem Think-Tank für Aussenpolitik in der Schweiz und Belgien sowie bei einer Schweizer Versicherung. Adrian Mattmann erwarb seinen Master in Finanzwirtschaft an der Universität Bern mit einem Studienaufenthalt an der Universität Laval in Québec sowie einen Master in Europäischer Politik und Verwaltungswissenschaften am Europakolleg in Brügge.

Baptiste Vasey (26) aus Genf
Thema: Computergestützte diagnostische Entscheidungssysteme und deren Potenzial, die medizinische Grundversorgung im Umfeld begrenzter Ressourcen zu verbessern
Baptiste Vasey studierte Humanmedizin an der Universität Zürich und der Université Libre de Bruxelles. Seine klinischen Erfahrungen sammelte er in verschiedenen Universitätszentren, wie dem St. Michael’s Hospital in Toronto, dem Universitätsspital Genf und der London’s Air Ambulance. In einem isolierten Bergspital der peruanischen Anden erkannte er das Potenzial von computergestützten diagnostischen Entscheidungssystemen, um sowohl den Mangel an konventionellen diagnostischen Mitteln wie auch an erfahrenen Fachärzten ausgleichen zu können. Während seines Kollegjahres wird er sich mit Anwendungsmöglichkeiten dieser neuen Technologie im Umfeld begrenzter Ressourcen beschäftigen.

Andrea Wehrli (27) aus Aarau
Thema: Abfälle sind Ressourcen. Wie können soziale, ökonomische und politische Faktoren kombiniert werden, um Stoffkreisläufe zu schliessen?
Andrea Wehrli studierte Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich und der SLU in Schweden. Erste Berufserfahrung sammelte sie bei Swiss Recycling, der Dachorganisation von Recyclingsystemen in der Schweiz. Danach arbeitete sie als Abfall- und Recyclingspezialistin für das Weltwirtschaftsforum, um das Abfallmanagement des jährlichen Treffens in Davos zu verbessern. Sie ist Mitgründerin der Chez Mamie Helvetia GmbH, einem verpackungslosen Detailfachhandel in Zürich. Während ihres Kollegjahres setzt sie sich mit der Frage auseinander, wie soziale, ökonomische und politische Einflussfaktoren dazu beitragen können, nachhaltiges Abfallmanagement zu implementieren und Stoffkreisläufe zu schliessen.

Nicolas Zahn (28) aus Zürich
Thema: E-Government: Nutzung des technischen Potenzials in internationalen Organisationen

Nicolas Zahn studierte Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und öffentliches Recht an der Universität Zürich. Bevor er den Master in International Affairs am Graduate Institute for International and Development Studies in Genf und der George Washington University in Washington D.C. absolvierte, sammelte er erste Berufserfahrungen beim Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Neben seinem Engagement in Think Tanks und politischen Organisationen arbeitete er als Projektmanager und Business Consultant in der Finanzbranche. Als Mercator Fellow beschäftigt sich Nicolas Zahn mit der Thematik E-Government und der Frage, wie neue Technologien wie zum Beispiel künstliche Intelligenz oder die Blockchain nationale und internationale Institutionen verbessern könnten.

Erfahrungen der vier Stipendiaten des Programmjahrs 2016/2017

Für die Schweizer Stipendiaten des achten Jahrgangs endete ihr Kolleg-Jahr im September 2017 mit einer Seminarwoche in Berlin, wo sie sich unter anderem mit dem neuen Jahrgang austauschten und in einer Abschlussveranstaltung von ihren vielfältigen Erfahrungen berichteten.

Andrina Beuggert (27) aus Ettenhausen (TG)
Thema: Humanitäre Innovation: Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen, Privatsektor und Zivilgesellschaft
Andrina Beuggert beschäftigte sich während des Kollegjahres mit der Frage, wie humanitäre Organisationen wirksam mit dem Privatsektor und der betroffenen Zivilbevölkerung zusammenarbeiten können. Von September bis April ging sie dem humanitären Engagement der Firmen in Silicon Valley auf den Grund und organisierte mit swissnex San Francisco eine Veranstaltungsreihe zum Thema „neue humanitäre Akteure“. Von April bis September hat sie mit UNICEF Innovation in Jordanien eng mit jungen Flüchtlingen im Azraq Camp zusammengearbeitet und sie dabei unterstützt, ihre eigenen Projekte zu starten.

Andrina Beuggert ist die Gründerin von Just Innovate, einem Inkubator für soziale Innovationen in Genf. Vor ihrem Kollegjahr hat sie in den Innovationsteams des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz und swissnex Indien gearbeitet. Sie hat ein Diplom in Management Sozialer Innovation (Amani Institute, Nairobi), einen M.A. in Entwicklungsstudien (IHEID, Genf) und einen B.A. in Kulturwissenschaften (Universität Luzern).

Benjamin Gräub (31) aus Zürich
Thema: Participatory big data. Eine Basis für Businessmodelle in der nachhaltigen Landwirtschaft?
Benjamin Gräub setzte sich in den letzten sieben Jahren vertieft mit nachhaltiger Landwirtschaft auseinander. Während seines Kollegjahres war er zuerst bei der Bluenumber Foundation in New York tätig, einem kleinen, zukunftsorientierten Start-Up, das mit Hilfe von digitalen Identitäten für Kleinbäuerinnen deren Zugang zu Märkten und Informationen stärkt. Dort konnte er stark strategisch und konzeptionell mitarbeiten – zum Beispiel bei einem Projekt zur Messung der Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele auf individueller Ebene. Die Stage zeigte auf, dass die Nutzung von Mobiltelefonen Kleinbäuerinnen in entlegenen Gegenden Zugang zu Märkten überall auf der Welt ermöglichen kann. Im Anschluss arbeitete er bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Dort beschäftigte er sich einerseits mit dem Marktzugang für nachhaltige Produkte und co-organisierte einen Workshop zum Thema. Daneben entwickelte er Konzepte für die Aufteilung von Gewinnen aus auf pflanzen-genetischen Ressourcen basierenden Produkten. Dabei lernte er viel über den starken Einfluss der Digitalisierung und die Nutzung von Big Data zur Sequenzierung von Pflanzen-DNA.

Vor dem Kolleg arbeitete Benjamin Gräub zuerst auf internationaler und nationaler  politischer Ebene (Rio+20) in Zürich und Nairobi bei der Stiftung Biovision und anschliessend auf technischer Ebene bei der Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in Rom. Er studierte International Affairs & Governance und International Management in St. Gallen, Medellin (Kolumbien) und Barcelona (Spanien).

Ivo Nicholas Scherrer (29) aus Zürich
Thema: Mobilising Private and Public Finance for the Low-Carbon Transition
Während des Kollegjahrs tüftelte Ivo Scherrer an neuen Co-Finanzierungsmechanismen zum Ausbau erneuerbarer Energien und nachhaltiger Infrastrukturen. Von September 2016 bis April 2016 arbeitete er in der Green Finance Unit der OECD in Paris und war da Co-Autor eines Berichts, der die Rolle staatlicher Energiebetriebe für die Finanzierung und Umsetzung der Energiewende unter die Lupe nahm. Im Anschluss stiess er als Kollegiat zum Think Tank „2 Degrees Investing Initiative“ mit Büros in Paris und Berlin. Als Projektleiter bei der 2 Degrees Investing Initiative entwickelt Ivo Scherrer Konzepte und quantitative Tools für Investoren, die sich zum Ziel gesetzt haben, ihre Anlagestrategien klimafreundlicher auszurichten. In seiner Freizeit hat Ivo während des Kollegjahrs den crowd-sourcing Think Tank „Argo“ in Paris mitgegründet.

Ivo Scherrer hat sich in seiner vorhergehenden Laufbahn in der Beratung, in der Wissenschaft und bei Think Tanks auf regulatorische und strategische Herausforderungen in Infrastrukturmärkten spezialisiert. Er ist Co-Gründer eines aussenpolitischen Think Tanks und einer politischen Bewegung in der Schweiz. Er erwarb seinen Masterabschluss in Internationaler Wirtschafts- und Energiepolitik an der Sciences Po Paris sowie einen Master in internationalen Beziehungen an der Universität St. Gallen. 

Tobias Sommer (31) aus St. Gallen
Thema: Klimawandel in der Finanzwelt: Lösungsansätze für die Carbon Bubble und entwicklungspolitische Implikationen grüner Finanzmärkte
Tobias Sommer beschäftigte sich mit den Fragen, welche Risiken durch den Klimawandel für Finanzmärkte entstehen, wie klimafreundlicher investiert werden könnte, und was dies für nachhaltige Entwicklung bedeuten kann. Er war von September bis Dezember bei der Nichtregierungsorganisation CDP in New York tätig, wo er untersuchte, in welchen Sektoren und mit welchen Argumenten freiwillige Ansätze zu Klimareporting am besten funktionieren. Von Januar bis April arbeitete er bei der Inquiry into the Design of a Sustainable Financial System des UN Umweltprogramms in Genf, wo er sich mit entwicklungspolitischen Auswirkungen grüner Finanzen und umweltfreundlichen Direktinvestitionen beschäftigte. Per Mai trat Tobias aus dem Mercator Kolleg aus, um seine Ausbildung zum Programmbeauftragten der DEZA anzutreten.

Tobias Sommer hat einen Master in International Affairs vom Graduate Institute for International and Development Studies und einen Bachelor in Relations Internationales von der Universität Genf. Ausserdem hat er an der Fletcher School in Boston und an der Freien Universität Berlin studiert.


Gemeinsame Medienmitteilung der Schweizerischen Studienstiftung und der Stiftung Mercator Schweiz

Mehr Informationen

www.mercator-kolleg.ch 

Projektpartner

Die Schweizerische Studienstiftung fördert besonders leistungsstarke, engagierte und breit interessierte Studierende an Hoch- und Fachhochschulen. Ziel der privaten gemeinnützigen Stiftung ist es, junge Menschen zu unterstützen, ihre Fähigkeiten verantwortungsbewusst in die Gesellschaft einzubringen. Die Geförderten der Schweizerischen Studienstiftung profitieren von einem interdisziplinären Bildungsprogramm, individuellem Mentoring, finanzieller Unterstützung sowie vielfältigen Vernetzungsmöglichkeiten.

Die Stiftung Mercator ist eine private Stiftung, die Wissenschaft, Bildung und Internationale Verständigung fördert. Sie initiiert, entwickelt und finanziert gezielt Projekte und Partnergesellschaften in den Themenbereichen, für die sie sich engagiert: Sie will Europa stärken, Integration durch gleiche Bildungschancen für alle verbessern, die Energiewende als Motor für globalen Klimaschutz vorantreiben und kulturelle Bildung in Schulen verankern. Dem Ruhrgebiet, der Heimat der Stifterfamilie und dem Sitz der Stiftung, fühlt sie sich besonders verpflichtet.

Leistung, Initiative, Verantwortung: Unter diesem Motto fördert die Studienstiftung des deutschen Volkes junge Menschen mit hoher wissenschaftlicher oder künstlerischer Begabung, die, geleitet durch Neugier und Freude an der Erkenntnis, erfolgreich studieren und forschen, die aus eigenem Antrieb Ideen entwickeln und umsetzen und die bereit sind, für sich, für andere Menschen und die Welt, in der sie leben, Verantwortung zu übernehmen. Mit rund 11.500 Stipendiatinnen und Stipendiaten ist die Studienstiftung des deutschen Volkes das größte Begabtenförderungswerk in Deutschland und als einziges politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig. Die Studienstiftung fördert Begabung – für unsere Gesellschaft.

Das Mercator Kolleg für internationale Aufgaben wird von den Stiftungen in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten und in Deutschland in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt durchgeführt.

Während des gemeinsamen Jahres erhalten die Kollegiatinnen und Kollegiaten Unterstützung durch das Netzwerk für internationale Aufgaben (nefia), ein lebendiges, weltweit aktives Netzwerk aus Alumni des Kollegs. Im Anschluss an das Kollegjahr engagieren sich viele von ihnen für nefia, um in Kontakt zu bleiben und gemeinsam Projekte und Ideen weiterzuverfolgen. 

Kontakt

Schweizerische Studienstiftung
Iris Schuler
Programmleitung
+41 44 233 33 02
iris.schuler@studienstiftung.ch   

Stiftung Mercator Schweiz
Olivia Höhener
Programmleitung
+41 44 206 55 86
o.hoehener@stiftung-mercator.ch 

Projekt

Mercator Kolleg für internationale Aufgaben


Themenbereich

Verständigung

Handlungsfeld

Internationale Zusammenarbeit

Projektpartner

eigenes Projekt der Stiftung Mercator Schweiz

Förderbetrag

CHF 5'504'000

Förderlaufzeit

2009-2019