Junge Geflüchtete frühzeitig durch Ausbildung integrieren

Medienmitteilung
4.11.2019

Eine neue Studie zeigt: Die frühzeitige Förderung spät eingereister Jugendlicher und junger Erwachsener ist ein Gewinn für die Betroffenen, die Gesellschaft und die Volkswirtschaft. Investitionen in einen frühzeitigen Bildungszugang würden jährlich Dutzende Millionen einsparen. Empfehlenswert ist ein frühzeitiger Zugang zu Ausbildungen mit dem Ziel der Arbeitsmarktfähigkeit.

Seit 2015 sinkt die Zahl der Asylgesuche. Doch die Frage der Integration junger Geflüchteter bleibt dringend. Für sie finden Flucht und Asylverfahren statt, während gleichaltrige Einheimische sich beruflich orientieren. Das Bildungsangebot bleibt für die jungen Geflüchteten oft unzugänglich, was ihre Integration erschwert. Das erweist sich für die öffentliche Hand als kostspielig und für die Perspektiven der Betroffenen als fatal.

Lücke im Bildungssektor

Bildungspolitisch strebt die Schweiz einen nachobligatorischen Ausbildungsabschluss bei 95 Prozent aller 25-Jährigen an. Bei Schweizer·inn·en ist dieser Anteil mit 94 Prozent fast erreicht. Bei im Ausland geborenen Ausländer·inn·en liegt er bei 75 Prozent, bei 25-Jährigen im Asylbereich, die durch die Flucht oft ohne Schulabschluss dastehen, gehen Experten von weit tieferen Quoten aus. Für junge Asylsuchende besteht kein öffentlicher Integrationsauftrag über das obligatorische Schulalter hinaus, sodass vielerorts privat (mit)finanzierte Bildungsprojekte in die Lücke springen. Im Rahmen einer Studie untersuchte ein Forschungsteam des Schweizerischen Forums für Migrations- und Bevölkerungsstudien der Universität Neuchâtel und B,S,S. Volkswirtschaftliche Beratung, Basel, im Jahr 2018, ob eine frühzeitige Grundbildung die Chancen spät eingereister 16- bis 25-Jähriger auf einen Zugang zu Berufsbildung und Arbeitsmarkt erhöht.

Was die Studie zeigt

Acht von zehn Teilnehmenden an Grundbildungsangeboten finden Anschluss in Integrations- oder Vorlehren, Brückenangebote, Gymnasien oder Beschäftigungsprogramme. Ein grosser Teil erhält während des Kurses Asyl oder eine vorläufige Aufnahme und gewinnt durch die frühe Förderung wertvolle Zeit für ihre Integration. Die Studie zeigt zudem: Frühzeitige Bildung lohnt sich. Die eingesparten Kosten vor allem der Sozialhilfe übertreffen den finanziellen Aufwand einer frühzeitigen Integrationsmassnahme. Wären zum Beispiel alle im Jahr 2018 in der Schweiz lebenden Asylsuchenden im Alter 16 bis 25 mit einer Grundbildungsmassnahme beschult worden, würden hochgerechnet nach drei bis acht Jahren über 40 Millionen Franken jährlich vor allem in der Sozialhilfe eingespart. Die Studie stellt ebenfalls fest, dass erhebliche kantonale Unterschiede beim Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt für junge Geflüchtete bestehen.

Die Rolle privat (mit)finanzierter Grundbildungsangebote

Mit der Integrationsagenda Schweiz, die der Bund im Frühjahr 2018 lancierte, soll der Zugang zur Grundbildung für anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene gewährleistet werden. Für Asylsuchende bleiben die starren Kantonsregeln aber problematisch: Je nach Kanton, dem sie zugewiesen wurden, erhalten sie Bildungsmöglichkeiten oder nicht. Stiftungen leisten laut Studie wichtige Arbeit, indem sie Projekte fördern, die auch junge Asylsuchende aufnehmen. Die Stiftungen, die die Studie in Auftrag gaben, empfehlen gestützt auf die Ergebnisse und die Diskussion mit Expert·inn·en, allen spät eingereisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus einen regulären Zugang zu Bildung mit dem Ziel der Arbeitsmarktfähigkeit idealerweise bis zum 30. Altersjahr zu ermöglichen. Zu wünschen wäre es, wenn dies – im gesamtgesellschaftlichen Interesse – in allen Kantonen möglich wäre.

Gemeinsame Medienmitteilung der beteiligten Stiftungen

Mehr Informationen

Das Schweizerische Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien stellt den Studienbericht im Volltext auf seiner Website zur Verfügung.

Zusammenfassende Publikation zum Download:

Je früher, desto besser für alle (PDF)
Le plus tôt est le mieux pour tous (PDF)

Mediendossier

Projektpartner

Das Schweizerische Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien SFM ist ein in der Forschung und Lehre tätiges Institut der Universität Neuchâtel. Das SFM wurde 1995 gegründet, mit dem Ziel, einen Beitrag zu pragmatischen Diskussionen migrationsrelevanter Themen zu leisten. Seither hat das SFM über 300 Studien durchgeführt, die entweder vom Schweizerischen Nationalfonds SNF oder von unterschiedlichen Institutionen wie Behörden des Bundes, der Kantone, Gemeinden sowie privaten Trägerschaften in Auftrag gegeben wurden. 

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