Mercator Kolleg startet mit fünf Stipendiaten aus der Schweiz

Medienmitteilung
24.10.2019

Für den Jahrgang 2019/2020 des Mercator Kollegs für internationale Aufgaben wurden fünf junge Schweizer Stipendiatinnen und Stipendiaten ausgewählt: Peter Freudenstein, Anna-Sophie Hobi, Gabriel Pelloquin, Selina Pfister und Alissa Siara gehen während eines Jahres internationalen Fragestellungen nach.

Indiens Energiepolitik, Transparenz und Verantwortung im Rohstoffsektor, das Verhältnis von Europa und China, Zugangswege für Flüchtlinge zu sicheren Drittstaaten, Public-Private Partnerships in Lateinamerika: Mit diesen Themen setzen sich die fünf Schweizer Stipendiatinnen und Stipendiaten des Jahrgangs 2019/2020 des Mercator Kollegs für internationale Aufgaben auseinander. Zusammen mit 20 Teilnehmenden aus Deutschland bereiteten sie sich im September in einem eineinhalbwöchigen Seminar in Essen und Berlin auf ihre Einsätze in aller Welt vor. Nicht nur ihre Fragestellungen haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst entwickelt, auch ihre Arbeitsstationen in internationalen Organisationen, global tätigen Nichtregierungsorganisationen oder Wirtschaftsunternehmen organisieren sie während des Kolleg-Jahres eigenverantwortlich. Dabei werden sie von der Programmleitung und den Rektoren des Mercator Kollegs unterstützt. Seminare zu internationalen Themen und zur Entwicklung von Führungs- und Schlüsselkompetenzen ergänzen das Programm.

Das deutsch-schweizerische Stipendienprogramm führen in der Schweiz die Stiftung Mercator Schweiz und die Schweizerische Studienstiftung in Kooperation mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten durch. In Deutschland sind es die Stiftung Mercator und die Studienstiftung des deutschen Volkes in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt. Die vergangenen Jahre zeigen: Das Programm ist ein Türöffner für berufliche Tätigkeiten im internationalen Umfeld. Ehemalige Stipendiaten arbeiten heute beispielsweise bei der DEZA, beim Bundesamt für Umwelt, bei Helvetas oder im diplomatischen Dienst der Schweiz.

Die Schweizer Stipendiaten des Programmjahrs 2019/2020

25 Hochschulabsolventen aus der Schweiz und aus Deutschland wurden in das Programmjahr 2019/2020 aufgenommen. Diese fünf Schweizer starteten im Oktober ins Mercator Kolleg für internationale Aufgaben:

Peter Freudenstein (26) aus Rodels (GR)
Thema: 
Indiens Energiepolitik – geopolitische Herausforderungen, umweltpolitische Hürden und wirtschaftliche Chancen

Als Mercator Fellow beschäftigt sich Peter Freudenstein mit der indischen Energiepolitik unter besonderer Berücksichtigung geo-, umwelt- und wirtschaftspolitischer Aspekte. Arbeitserfahrung an der Schnittstelle von Energie- und Sicherheitspolitik sammelte er zuvor beim Atlantic Council, dem Center for Security Studies an der ETH Zürich und dem Geneva Centre for Security Sector Governance. Er ist Co-Redakteur des forausBlogs. Peter Freudenstein studierte Internationale Beziehungen an der Fletcher School of Law and Diplomacy (MA) at Tufts University in Boston und der Universität St. Gallen (BA, MA). Im Rahmen seiner Masterarbeit analysierte er Russlands Energieexporte und ging der Frage nach, inwiefern Energie auch in Zukunft ein aussenpolitisches Machtinstrument sein wird.


Anna-Sophie Hobi (27) aus Mels (SG)
Thema: Transparenz und Verantwortung im Rohstoffsektor – für eine nachhaltige Zukunft im Süden?

Anna-Sophie Hobi geht während des Stipendienjahres der Frage nach, wie Transparenz im Rohstoffsektor (Bergbau sowie Handel) die Risiken unlauterer Finanzflüsse und Korruption eindämmen und Länder im Süden hin zu einer nachhaltigen Zukunft unterstützen kann. Mit dem Rohstoffsektor hat sie sich in den vergangenen Jahren bereits im Rahmen des internationalen Forschungsprojektes «Valueworks» beschäftigt, wofür sie in Sambia und der Schweiz forschte. Zudem engagiert sie sich als Mitglied in der Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika und arbeitete für die Schweizer NGO fepa. Anna-Sophie Hobi studierte Ethnologie und Archäologie an der Universität Basel und Linnaeus Universität.


Gabriel Pelloquin (28) aus Basel
Thema: «
China, Europa und die Frage nach politischen Werten»     

Als Mercator-Kollegiat beschäftigt sich Gabriel Pelloquin mit dem Verhältnis Europas mit China. Im Mittelpunkt steht dabei die Bedeutung Chinas als globaler Akteur für die Institutionen und die gemeinschaftlichen Werte Europas im Spannungsfeld zwischen national geprägten bilateralen und multilateralen Ansätzen. Gabriel Pelloquin studierte Philosophie und Geschichte in Freiburg, Montpellier und Heidelberg. Arbeitserfahrungen sammelte er unter anderem im Bereich der Integration von Kindern mit besonderem Förderbedarf sowie bei einer Zeitschrift für Gegenwartsliteratur.


Selina Pfister (27) aus Eschen (LI)
Thema:
Komplementäre Zugangswege für Flüchtlinge zu sicheren Drittstaaten: Potenziale im Flüchtlingsschutz nutzen

Selina Pfister beschäftigt sich während des Kolleg-Jahres mit innovativen Zugangswegen für Flüchtlinge zu sicheren Drittstaaten. Sie geht dabei der Frage nach, wie das Potenzial der Geflüchteten und der Aufnahmegesellschaft besser genutzt werden kann. Arbeitserfahrungen hat Selina Pfister zuvor unter anderem bei der Internationalen Organisation für Migration in Bern, bei verschiedenen NPOs in der Rechtsberatung von Asylsuchenden, Migrantinnen und Migranten sowie als externe Beobachterin in Asylanhörungen gesammelt. Zudem war sie für die Vertretung Liechtensteins im UNO-Menschenrechtsrat in Genf tätig. Sie studierte Internationale Beziehungen in Genf und Alicante (BA) sowie Internationale Migration und Menschenrechte in Brüssel (MA).


Alissa Siara (23) aus Wil (SG)
Thema: Innovative Kollaborationsmodelle zwischen Social Enterprises und dem Staat in
Lateinamerika

Als Mercator-Kollegiatin geht Alissa Siara der Frage nach, wie Public-Private Partnerships zwischen Social Enterprises und dem Staat gestaltet werden können, um die Umsetzung der 17 UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung in Lateinamerika zu verwirklichen. Zuvor sammelte sie Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Innovation und Wirtschaftsentwicklung am Lehrstuhl für Business Innovation der Universität St. Gallen und beim Sonoma County Economic Development Board in den USA. Alissa erwarb ihren BA in International Affairs an der Universität St. Gallen und einen MSc in Internationaler Wirtschaftspolitik an der London School of Economics and Political Science. Studien- und Forschungsaufenthalte führten sie nach Chile.

Erfahrungen der Stipendiaten des Programmjahrs 2018/2019

Für die Schweizer Stipendiatinnen und Stipendiaten des zehnten Jahrgangs endete das Kolleg-Jahr im September 2019 mit einer Seminarwoche in Berlin, wo sie sich unter anderem mit dem neuen Jahrgang austauschten und in einer Abschlussveranstaltung von ihren Erfahrungen berichteten.

Dr. Yoran Beldengrün (29) aus Zürich
Thema: Das Potenzial der Wissenschaftsdiplomatie im Israelisch-Palästinensischen Konflikt

Yoran Beldengrün beschäftigte sich während des Kolleg-Jahres mit der Frage, wie eine regionale Zusammenarbeit im Bereich der Wissenschaft und Innovation als friedens- und entwicklungsförderndes Mittel im Israelisch-Palästinensischen Konflikt eingesetzt werden kann. Er begann sein Jahr bei swissnex Boston. Dort hat er einen Einblick in die Wissenschaftsdiplomatie bekommen, deren Akteure im Nahen Osten kennengelernt und abschliessend in Harvard eine Konferenz zu seinem Kolleg-Thema organisiert. Für die letzten zwei Arbeitseinsätze zog er nach Tel Aviv. Bei EcoPeace Middle East, einer regionalen NGO, die sich auf umweltpolitische Friedensförderung zwischen Israel, Palästina und Jordanien fokussiert, evaluierte er deren wissenschaftsdiplomatische Strategie. Ab Juni war er in der Schweizerischen Botschaft in Israel tätig, für die er unter anderem an einem Plan arbeitete, wie die Schweiz zur Entwicklung des Innovationssektors in den palästinensischen Gebieten beitragen kann. Seine Erfahrungen wird Yoran Beldengrün ab November als Mitarbeiter einer Beratungsfirma in Barcelona anwenden. 

Vor dem Mercator Kolleg absolvierte Yoran Beldengrün sein Doktorat im Bereich der Nanomedizin am IQAC-CSIC in Barcelona. Sein Studium hat er an der ETH Zürich absolviert, in den Bereichen Biomedizinischer Technik (MSc) und Pharmazeutischen Wissenschaften (BSc). Er ist Gründer des Scientists Dating Forums, einer Organisation, die Brücken zwischen Wissenschaft und Politik, Gesellschaft und Wirtschaft baut. Zudem hat Yoran Beldengrün die Organisation des «March for Science Barcelona» geleitet und als Wissenschaftskommunikator in verschiedensten Kontexten Wissenschaft unterhaltsam unterrichtet. Erste Erfahrung in der Wissenschaftspolitik machte er in einem Praktikum bei der UNESCO in Paris.


Stefan Brantschen (31) aus Rheinau (ZH)

Thema: Lokal Perspektiven schaffen – Förderung von privatwirtschaftlichen Strukturen im Maghreb

Während des Kolleg-Jahres beschäftigte sich Stefan Brantschen mit der Frage, wie privatwirtschaftliche Strukturen in Nordafrika gefördert werden können. Von September 2018 bis Mai 2019 weilte er zu diesem Zweck in Tunesien, wo er erst mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und später mit der Weltbank an verschiedenen Projekten mitarbeitete. Während seines Einsatzes für die GIZ lag der Fokus auf der Unterstützung von Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern in abgelegenen Regionen Tunesiens. Bei der Weltbank wirkte er an einem Projekt mit, das die finanzielle Förderung von digitalen Startups und KMUs in Tunesien verbesserte. Ein Aufenthalt in Bern, in der Abteilung Wirtschaftliche Entwicklung des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO, rundeten das Jahr ab. Seine gesammelten Erfahrungen wird Stefan Brantschen weiterhin im SECO einbringen, wo er ab Oktober als Wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet.

Stefan Brantschen war vor dem Mercator Kolleg bei der Schweizer Auslandsvertretung in Japan in den Bereichen Politik und Wirtschaft tätig und arbeitete bei einer Non-Profit-Organisation in Bern zum Thema nachhaltige Produktionsketten. Stefan Brantschen erwarb einen Master in International Affairs am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf und studierte Politikwissenschaften, Volkswirtschaft sowie Öffentliches Recht an der Universität Zürich. Zwei Auslandssemester führten ihn nach Boston an die Fletcher School of Law and Diplomacy und nach Bordeaux an die Sciences Po.

Céline Dillmann (28) aus Thun (BE)
Thema: Wenn der Blickwinkel sich ändert, kann sich die Welt verändern – Ansätze, Dialog zu fördern und Entscheidungsprozesse zu unterstützen

Céline Dillmann beschäftigte sich im Mercator Kolleg mit methodischen Ansätzen, um ein gemeinsames Verständnis zu schaffen und Dialogprozesse anzuregen. Im ersten halben Jahr arbeitete sie dazu beim WWF in Kolumbien. Dort entwickelte sie ein Brettspiel, das die Milchwertschöpfungskette darstellt und als Instrument dient, den Dialog zwischen milchproduzierenden und -verarbeitenden Akteuren zu unterstützen. Anschliessend wechselte sie Sprache, Kontinent und Fachbereich und ging in die Côte d’Ivoire zu Interpeace West Africa. Die NGO engagiert sich für Frieden durch Dialogförderung zwischen verschiedenen Gesellschaftsgruppen und Konfliktparteien. Céline Dillmann unterstützte Interpeace in der Aufbauphase deren Projekttätigkeiten in Burkina Faso. Vom Umweltschutz in die Friedensförderung – durch Änderung des Blickwinkels reflektierte sie, was Dialog bewirkt: Vertrauen und sozialen Zusammenhalt – die Grundlagen für Kooperation.

Céline Dillmann hat Umweltwissenschaften an der ETH Zürich studiert. Anschliessend arbeitete sie dort als Forschungsmitarbeiterin in Projekten zu kleinbäuerlicher Landwirtschaft in Laos, tropischem Waldmanagement im Kongobecken und Mensch-Wildtierkonflikten in der Schweiz und sammelte Erfahrungen in der Moderation und Workshop-Leitung. Davor war sie bei der GIZ in Deutschland, bei der Stiftung Biovision und bei Pro Natura Schweiz tätig. 


Corinne Duriaux (28) aus Subingen (SO)

Thema: Cash Transfers in humanitären Kontexten mit einem Fokus auf genderspezifische Auswirkungen

Corinne Duriaux beschäftigte sich während des Kolleg-Jahres mit dem Einsatz von Cash Transfers in humanitären Kontexten. Im Fokus standen deren genderspezifische Auswirkungen sowie die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern. Während der ersten drei Monate unterstützte sie das UNHCR in Jordanien bei der Umstellung auf digitale Währungen für die Zahlung der Geldleistungen. Im Februar und März 2019 arbeitete sie mit der NGO Plan International in Ghana an einem Antrag für ein Jugend- und Frauenbeschäftigungsprojekt. Daraufhin war sie bei der NGO CARE in der Türkei tätig und erstellte eine Studie über Cash-for-Shelter-Projekte (Geld für Unterkunft). Im Zentrum standen dabei die Bedürfnisse von geflüchteten Frauen und die Frage, inwiefern die Projekte «gendertransformativ» wirken können. Auch beim Internationalen Komitee des Roten Kreuz (IKRK) in der Schweiz und Nigeria, wo sie zum Schluss tätig war, schrieb Corinne Duriaux eine Studie. Sie untersuchte, inwiefern die Cash-Transfer-Projekte des IKRK geschlechtsspezifische Aspekte berücksichtigen, und erarbeitete Handlungsempfehlungen.

Vor dem Mercator Kolleg arbeite Corinne Duriaux beim Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria unter anderem zum Einsatz von Cash Transfers in der Prävention von HIV-Infektionen bei jungen Frauen. Weitere Berufserfahrung machte sie bei McKinsey & Company, dem Schweizerischen Roten Kreuz und der Schweizerischen Botschaft in Manila. Corinne Duriaux erwarb einen Masterabschluss in Human Rights & Humanitarian Action an der Sciences Po Paris sowie einen Master in internationalen Beziehungen an der Universität St. Gallen.

Mehr Informationen

www.mercator-kolleg.ch 

Projektpartner

Die Schweizerische Studienstiftung fördert seit 25 Jahren besonders leistungsstarke, engagierte und breit interessierte Studierende an Hoch- und Fachhochschulen. Ziel der privaten gemeinnützigen Stiftung ist es, junge Menschen zu unterstützen, ihre Fähigkeiten verantwortungsbewusst in die Gesellschaft einzubringen. Die Geförderten der Schweizerischen Studienstiftung profitieren von einem interdisziplinären Bildungsprogramm, individuellem Mentoring, finanzieller Unterstützung sowie vielfältigen Vernetzungsmöglichkeiten.

Kontakt

Schweizerische Studienstiftung
Lydia Tchambaz
+41 44 233 33 14
lydia.tchambaz@studienstiftung.ch

Stiftung Mercator Schweiz
Stephanie Huber
+41 44 206 55 81
s.huber@stiftung-mercator.ch 

Projekt

Mercator Kolleg für internationale Aufgaben 2019-2025