Wie Kinder lernen und die Welt entdecken

Aktuelle Mitteilung
20.11.2019

Kinder sind neugierig. Sie erkunden ihre Umwelt. Tag für Tag. Noch bis zum 22. Dezember 2019 zeigt die Wanderausstellung «Die Entdeckung der Welt» im Kornhausforum Bern, wie Kinder lernen und wie Erwachsene sie dabei begleiten können. Über 34‘000 Personen haben die Ausstellung bereits gesehen.

Zusammen mit dem Billet drückt die Mitarbeiterin an der Kasse den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung «Die Entdeckung der Welt» eine Holzkugel in die Hand. Wofür diese wohl gut ist? Die Kugel passt perfekt in eine runde Öffnung an der ersten Ausstellungsstation. «Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich als Kind sehr oft alleine gespielt habe. Ich fuhr Ski und habe für mich selbst Sprungschanzen gebaut», ertönt die Stimme eines Mannes, als die Kugel im Loch des Ausstellungselements verschwindet. Er erinnert sich an seine Ausflüge auf Langlaufskiern. Unterbrechen konnte ihn nur das «Zvieri», erzählt er: «Das war eine Tradition bei uns. Dann hat man eine Honigschnitte oder so gegessen. Danach bin ich wieder nach draussen, bis es dunkel wurde.» Zu Beginn der Ausstellung tauchen die Gäste in frühen Kindheitserinnerungen von sieben Personen ein. Einer davon ist Hans Ryser, geboren 1949 in Grindelwald. Die passenden Objekte zu den Geschichten werden in Holzwürfeln ausgestellt. Sie klingen, drehen oder glitzern, sobald die Kugel in der Öffnung des Würfels verschwindet. Die Holzkugel ist die Eintrittskarte in eine bunte Würfellandschaft, die die wichtigsten Stationen der frühkindlichen Entwicklung zeigt.

Alltägliche Entdeckungsreisen

Über 34‘000 Besucherinnen und Besucher haben die Wanderausstellung des Vereins StimmeQ seit ihrer Vernissage im März 2017 gesehen. Wer die Ausstellung «Die Entdeckung der Welt» noch nicht besucht hat, hat bis zum Jahresende die Chance, das nachzuholen: Vom 15. November 2019 bis zum 22. Dezember 2019 lädt die Ausstellung im Kornhausforum Bern Interessierte dazu ein, sich auf eine Entdeckungsreise durch die frühe Kindheit zu begeben. Bern ist die letzte Station der Wanderausstellung.

Die staatliche Bildung beginnt in der Schweiz mit der Einschulung in den Kindergarten. Doch Kinder fangen nicht erst im Alter von vier Jahren an zu lernen. Und sie lernen nicht nur im formellen Rahmen. Mit allen Sinnen und voller Neugier entdecken Kleinkinder im Alltag die Welt: Sie tasten, greifen, kriechen, laufen und beginnen zu sprechen. Eltern, Betreuungs- und Bezugspersonen begleiten und unterstützen sie dabei. «Das ist eine wichtige Aufgabe. Bildung, Betreuung und Erziehung von Geburt an sind Schlüsselfaktoren für den späteren Lern- und Lebenserfolg der Kinder», sagt Heinz Altorfer, Präsident des Vereins StimmeQ. Mit der Wanderausstellung «Die Entdeckung der Welt» möchte der Verein zeigen, wie Kinder spielerisch lernen – und wie wichtig eine hohe Qualität der frühkindlichen Bildung ist.

Zufrieden mit der Tournee durch die Schweiz

Heinz Altorfer ist zufrieden mit der Tournee durch die Schweiz: «Es war eine gute Entscheidung, die Qualität in der frühen Kindheit in einer Wanderausstellung zu thematisieren.» Begleitend zur Ausstellung, die bis zum Jahresende Station in Bellinzona, Liestal, Carouge, Lausanne, St. Gallen, Winterthur und Bern gemacht haben wird, finden regionale Aktivitäten und Veranstaltungen rund um das frühkindliche Lernen statt. «Mit den Veranstaltungen ist es uns gelungen, neben städtischen Zentren auch die Peripherie einzubeziehen. Wir konnten breite und vielseitige Diskussionen über das Lernen in der frühen Kindheit führen», erklärt Heinz Altorfer. Die Aktivitäten stellen das bestehende Angebot im Frühbereich in den jeweiligen Regionen vor. Pro Standort kamen 80 bis 150 Veranstaltungen zustande – insgesamt 800.

«Die Ausstellung in Kombination mit den regionalen Aktivitäten macht das Thema für eine breite Öffentlichkeit sichtbar», freut sich Heinz Altorfer. Akteure im Frühbereich erhalten Raum zum Austausch und zur Vernetzung. Der Einbezug staatlicher Akteure habe zu konstruktiven politischen Entwicklungen beigetragen. Das beachtliche Medienecho habe den gesellschaftlichen Stellenwert der Bildung in der frühen Kindheit aufgezeigt. «In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan», stellt der Vorsitzende von StimmeQ fest. Dennoch variierten die Angebote im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung von Kanton zu Kanton stark. «Was fehlt, ist eine Politik der frühen Kindheit, damit alle Kinder Zugang zu qualitativ hochwertigen Angeboten haben», betont Heinz Altorfer.

Spielen ist Lernen

Sinne und Denken, Sprache, Emotionen und Beziehungen, Motorik: Die Besucherinnen und Besucher erfahren bei ihrem Rundgang durch die Ausstellung, wie Kinder sich in diesen vier Bereichen entwickeln. Fachpersonen ordnen die Meilensteine der kindlichen Entwicklung in Film und Ton ein. So erklärt Margrit Stamm, Leiterin des Forschungsinstituts Swiss Education in Bern: «Spielen ist gewissermassen die beste Frühförderstrategie. Kinder lernen miteinander zu agieren und Konflikte auszutragen. Auf der motorischen Ebene eignen sich Kinder im Spiel ganz natürlich körperliche Kompetenzen an. Das Spielen regt alle Sinne an.»

Spielen sollen die Kinder auch in der Ausstellung: Die Ausstellungsarchitektur dient nicht nur als Trägerin für die Inhalte, sie versteht sich als eine raumgreifende Spiel- und Entdeckungslandschaft. Die Kinder können diese Landschaft erkunden und aktiv mitgestalten, während sich die Eltern mit den Inhalten auseinandersetzen. So können die Kinder bunte Matten zu Bahnen, Höhlen oder Wänden zusammenschieben und dadurch die Ausstellungsarchitektur immer wieder von Neuem erweitern. Sie können Windräder und Musikdosen zum Leben erwecken, durch Gucklöcher neue Perspektiven einnehmen und den Austausch mit anderen Kindern suchen. Ein besonderes Erlebnis ist eine interaktive Klangkugelbahn: Während die bunte Holzkugel, die die Eltern am Eingang der Ausstellung bekommen haben, durch den Kubus hindurch und die Wände entlang kullert, tropfen bunte animierte Kugeln im Innern des Würfels die Wand hinunter. Die animierten Kugeln reagieren auf Berührung.

Gesellschaftliche Debatte

Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung erhalten auch Einblicke in Projekte und Organisationen, die bereits auf Qualität im Frühbereich setzen. Angesichts dieser Beispiele kommen Fragen auf: In wessen Verantwortung liegt eigentlich die Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern? Wer kommt dafür finanziell auf? Ist die frühkindliche Bildung Privatsache, oder sollte sich der Staat darum kümmern? Wie und von wem soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt werden? Wo steht die Schweiz im internationalen Vergleich? Und was ist eigentlich eine Familie im Zeitalter von Alleinerziehenden, von Patchwork- und Regenbogenfamilien? Eindeutige Antworten liefert der Ausstellungsbereich zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten in Familienfragen nicht. Vielmehr regen unterschiedliche Meinungen von Akteuren aus Bildung, Wirtschaft und Wissenschaft sowie mediale Beiträge, Zahlen und Fakten zum Nachdenken an.                                                                                                   

Mehr Informationen

Die Ausstellungswebsite gibt nicht nur Einblicke in das Programm, sondern auch in interessante Fakten zum Thema: www.entdeckungderwelt.ch

Publikation für eine Politik der frühen Kindheit
Die Schweizerische UNESCO-Kommission engagiert sich im Rahmen der Bildungsagenda 2030 für die nationale Umsetzung des Ziels «allen Mädchen und Jungen den Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung zu sichern, die ihnen einen erfolgreichen Übergang in die Schule ermöglicht». Dazu will die Schweizerische UNESCO-Kommission die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) in der Schweiz nachhaltig als Bildungsaufgabe positionieren. Die Publikation Für eine Politik der frühen Kindheit soll einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dieses Ziel zu erreichen.

Projektpartner

Der Verein Stimme Q setzt sich für die Qualität in der der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) ein. Er möchte die Diskussion darüber, was Qualität in der FBBE ist, anregen und in die Öffentlichkeit tragen. 

Kontakt

Verein Stimme Q
Daniela Hallauer
Geschäftsführung 
+41 44 268 69 83
info@stimmeq.ch  

Stiftung Mercator Schweiz
Daniel Auf der Maur
Projektmanager
+41 44 206 55 96
d.aufdermaur@stiftung-mercator.ch 

Projekt

Die Entdeckung der Welt