Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa und der Schweiz – RAGES

Wie sollen die Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen untersucht werden? Wir gross sind diese Risiken? Ein internationales Konsortium industrieunabhängiger Experten befasst sich mit Zulassungsprüfungen in der EU und der Schweiz.

In der EU sind bereits etwa 60 Varianten gentechnisch veränderter (GV) Pflanzen für den Import und die Verarbeitung in Lebens- und Futtermitteln zugelassen. Weitere Anträge, die sich auch auf den Anbau der Pflanzen erstrecken, sind anhängig. In der Schweiz ist man noch wesentlich zurückhaltender. Die Industrie und die Behörden sagen, dass die Pflanzen sicher sind. Doch wurden sie wirklich ausreichend untersucht? Was ist über die Risiken im Detail bekannt? Wie werden sie bewertet? Seit Beginn der Regulierung von gentechnisch veränderten Organismen (GVOs) in der EU sind sich Experten uneins über das richtige Vorgehen bei den Risikoabschätzungen. Das Projekt RAGES (Risiko-Abschätzung gentechnisch veränderter Organismen in der EU und der Schweiz) versucht, diesen Fragen auf den Grund zu gehen und die Gründe für die unterschiedlichen Schlussfolgerungen der Experten offenzulegen.

Analyse wissenschaftlicher Publikationen

Beteiligt am Projekt sind das European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER), Critical Scientists Switzerland (CSS), GeneWatch UK und Testbiotech (Deutschland). Im Rahmen von zwei Workshops, die Ende 2016 und Anfang 2017 stattfanden, wurden folgende Themen als Arbeitsbereiche ausgewählt: Im Zentrum stehen die Bewertung der Rückstände von Herbiziden, gegen die gentechnisch veränderte Pflanzen resistent gemacht wurden, und die Auswirkungen des Anbaus von GV-Pflanzen, die Insektengifte produzieren. Dabei geht es auch um die Wechselwirkungen der verschiedenen Eigenschaften, wenn sie in GV-Pflanzen kombiniert werden. Weitere Themen sind Pflanzen, die in ihrer Nahrungsmittelqualität verändert sind, die Folgen einer unkontrollierten Ausbreitung von Gentechnik-Pflanzen sowie die Bewertung neuer Gentechnik-Verfahren. Das Konsortium wird selbst keine experimentelle Forschung durchführen, sondern seine Analyse auf eine grosse Bandbreite vorhandener wissenschaftlicher Publikationen und Datenbanken stützen.

Empfehlungen für Regulierungen

Das Projekt RAGES ist vollständig unabhängig von den Interessen der Gentechnik-Industrie. Es will insbesondere zu einem verbesserten wissenschaftlichen Verständnis der Risiken beitragen, die mit der Einführung gentechnisch veränderter Pflanzen in das Agrar-Ökosystem und in die Lebensmittelproduktion einhergehen. RAGES wird Empfehlungen für die künftige Regulierung des Umgangs mit gentechnisch veränderten Pflanzen geben. Damit versucht das Projekt, einen Beitrag zu einem verbesserten Schutz von Mensch und Umwelt zu leisten. Die Ergebnisse werden nach unabhängiger wissenschaftlicher Überprüfung  (peer review) veröffentlicht. Zudem wird 2018 eine öffentliche Tagung organisiert, wozu auch Vertreter von Behörden und politische Entscheidungsträger eingeladen werden. 

Kontakt

Stiftung Mercator Schweiz
Stephanie Huber
Projektmanagerin
+41 44 206 55 81
s.huber@stiftung-mercator.ch