Übergang in die Selbstständigkeit – Pflegekinder wirken mit!

Was brauchen Pflegekinder nach dem Austritt aus der Pflegefamilie für einen erfolgreichen Übergang in die Selbständigkeit? Bei der Suche nach Antworten bezieht das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Übergang in die Selbständigkeit: Pflegekinder wirken mit!“ (ehemalige) Pflegekinder als Expertinnen und Experten ihrer Lebenssituation mit ein.

Der Übergang in die Selbstständigkeit stellt für alle jungen Erwachsenen eine Herausforderung dar. Wie aus internationalen Studien hervorgeht, trifft dies aber besonders für junge Frauen und Männer zu, die mit Erreichen der Volljährigkeit aus einer Pflegefamilie oder einem Heim ausziehen. Sie werden im internationalen Fachdiskurs als „Care Leaver“ bezeichnet. Im Vergleich mit Gleichaltrigen müssen Care Leaver früher Verantwortung für sich selbst übernehmen. Von ihren Familien erhalten sie weniger Unterstützung für diese Phase des Übergangs ins Erwachsenenleben. In der Schweiz wird der Situation von jungen Frauen und Männern, die aus Pflegefamilien austreten und einen neuen Lebensabschnitt beginnen, bislang wenig Beachtung geschenkt. Das partizipative Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Übergang in die Selbständigkeit: Pflegekinder wirken mit!“ der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften will dem entgegenwirken. Es stellt die Gestaltung des Austritts aus der Pflegefamilie und die Begleitung von Pflegekindern auf dem Weg in die Selbständigkeit ins Zentrum.

Partizipatives Forschungs- und Entwicklungsprojekt

In einer ersten Projektphase werden das Erfahrungswissen von Fachpersonen sowie die Erfahrungen und Bedürfnisse von (ehemaligen) Pflegekindern erfasst. Darauf aufbauend entwickelt das Forschungsteam in einer zweiten Phase unter Mitwirkung von (ehemaligen) Pflegekindern und Fachpersonen verschiedene Projekte und setzt diese um. (Ehemalige) Pflegekinder haben als Expertinnen und Experten ihrer Lebenssituation verschiedene Möglichkeiten, aktiv am Projekt mitzuwirken: Sie können sich für ein Interview zur Verfügung stellen, in der Begleitgruppe mitarbeiten und bei der Umsetzung von konkreten Projekten engagieren.

Das Mentoring-Projekt „TAKE OFF“

Die Ergebnisse der Studie „Übergang in die Selbständigkeit: Pflegekinder wirken mit!“ haben gezeigt, dass sowohl die befragten (ehemaligen) Pflegekinder als auch die Fachpersonen der Kinder- und Jugendhilfe die Begleitung von Pflegekindern im Übergang in die Selbständigkeit als wichtig erachten. Dabei wurde deutlich, dass Unterstützung nicht nur durch professionelle Fachpersonen erfolgen soll, sondern auch durch ehemalige Pflegekinder, die diesen Übergangsprozess ins Erwachsenenalter erfolgreich durchlaufen haben. Die meisten der befragten ehemaligen Pflegekinder, hätten sich eine Person mit vergleichbarem Erfahrungshintergrund gewünscht. Diese Idee wurde im ersten Umsetzungsprojekt aufgegriffen. Unter aktiver Mitwirkung von ehemaligen Pflegekindern wurde das Mentoring Projekt „TAKE OFF“ entwickelt. In diesem Mentoringprojekt engagieren sich ehemalige, inzwischen erwachsene Pflegekinder als Mentorinnen und Mentoren. Sie begleiten jüngere Pflegekinder während einer bestimmten Zeit im Übergang in die Selbständigkeit. Die Mentorinnen und Mentoren werden vom Projektteam der ZHAW auf diese Aufgabe vorbereitet und begleitet. 

Gestaltung der eigenen Zukunft

Das Projekt will dazu beitragen, dass sich Pflegekinder nach Erreichen der Volljährigkeit aktiv an der Planung und Gestaltung ihrer Zukunft beteiligen können und eine Unterstützung erhalten, die ihren Bedürfnissen entspricht. Das Projekt wird vom Institut für Kindheit, Jugend und Familie der ZHAW Soziale Arbeit realisiert. Projektpartner sind das Amt für Jugend- und Berufsberatung des Kantons Zürich sowie das Jugendamt des Kantons Bern. 

Mehr Informationen

careleaver.ch - Plattform für (ehemalige) Pflege- und Heimkinder, Fachpersonen, Pflegeeltern und weitere Interessierte

Projektbeschreibung auf der Website der ZHAW

Projektseite auf Facebook 

Flyer TAKE OFF

Projektpartner

Das Institut für Kindheit, Jugend und Familie gehört zum Departement Soziale Arbeit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Das Institut rückt Fragen des Aufwachsens, von Erziehung, Bildung und Sozialisation im Kindes- und Jugendalter sowie alle darauf bezogenen Massnahmen der Sozialen Arbeit in den Mittelpunkt. Im Zentrum stehen die Heranwachsenden und ihre Familien, prekäre Bedingungen und Gefährdungen im sozialen und gesellschaftlichen Umfeld sowie darauf bezogene professionelle und ehrenamtliche Interventionen der Sozialen Arbeit. 

Kontakt

Stiftung Mercator Schweiz
Severina Eggenspiller
Wirkungs- und Prozessmanagerin
+41 44 206 55 92
s.eggenspiller@stiftung-mercator.ch