Zeitwohlstand Teilzeitarbeit

Forschende der Universität Bern untersuchen, inwiefern eine selbstbestimmte Reduktion der Arbeitszeit zu einer Reduktion der konsumbedingten Umweltbelastungen beitragen kann.

Im Rahmen der Debatte um die Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft ist in letzter Zeit die Reduktion der Erwerbsarbeitszeit zur Förderung suffizienter Lebensstile in den Fokus des Interesses gerückt. Unter welchen Bedingungen führt eine Reduktion der Erwerbsarbeitszeit zu einem nachhaltigeren Lebensstil? Welche Auswirkungen hat eine solche Reduktion der Arbeitszeit aufs Wohlbefinden der Arbeitnehmenden? Was bedeuten flexiblere Arbeitsmodelle für die betroffenen Betriebe? Und welche hemmenden und fördernden ökonomischen, rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen gilt es zu beachten? Diesen und weiteren Fragen geht das Forschungsprojekt „Zeit als neuer Wohlstand: Reduktion der Erwerbsarbeit zur Förderung suffizienter Lebensstile?“ auf den Grund.

Die Forschenden der Universität Bern begleiten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die selbstbestimmt ihre Erwerbsarbeitszeit verändern, und evaluieren ihre Erfahrungen in Hinblick auf veränderte Konsummuster. Dabei ist es ihnen ein Anliegen, auch Einschätzungen und Erfahrungen auf betrieblicher Seite einzubeziehen sowie die rechtlich-administrative Ebene zu berücksichtigen. Ziel ist es herauszufinden, welchen Beitrag eine Reduktion der Erwerbsarbeitszeit im Schweizer Kontext zur Reduktion des konsumbedingten Umweltimpacts leisten kann – und dies bei gleich bleibender oder erhöhter Zufriedenheit der betreffenden Personen.

Das Forschungsprojekt gliedert sich in drei Arbeitspakete:

  • Das Arbeitspaket 1 rekonstruiert durch qualitative Interviews mit Arbeitsnehmenden, die ihr Arbeitspensum selbstbestimmt reduziert haben, die subjektiv erlebten Veränderungen in der zeitlichen Alltagsgestaltung und in den Konsumaktivitäten.

  • In Arbeitspaket 2 quantifizieren die Forschenden mit Hilfe einer standardisierten Längsschnittbefragung Effekte der Veränderung des Erwerbsarbeitspensums auf den Pro­Kopf­Verbrauch natürlicher Ressourcen. Dabei werden auch Veränderungen in der subjektiven Zufriedenheit sowie in der subjektiven Relevanz materieller und immaterieller Werte erhoben.

  • In Arbeitspaket 3 werden die Projektergebnisse auf einer moderierten Online-Diskussionsplattform diskutiert. Eingeladen sind ausgewählte Vertreter von Arbeitnehmenden, Verantwortliche im betrieblichen Arbeitsumfeld, gesellschaftliche Interessensvertretende und Verantwortliche der nationalen politisch-­administrativen Ebene.

Projektpartner

Das Interdisziplinäre Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE) der Universität Bern erarbeitet Lösungen für den nachhaltigen Umgang mit Land- und Wasserressourcen. In enger Verbindung mit der Forschung bietet das CDE zudem eine Reihe von Dienstleistungen an. Ein zentrales Anliegen ist es, den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern und einen Beitrag an globale Nachhaltigkeits- und Entwicklungsdebatten zu leisten. Im Sinne des gesamtuniversitären Auftrages zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung bietet das CDE Lehrangebote in nachhaltiger Entwicklung an.

Kontakt

Stiftung Mercator Schweiz
Katia Weibel
Projektmanagerin
+41 44 206 55 89
k.weibel@stiftung-mercator.ch