Schwerpunkt Digitalisierung

Wir wollen der Zivilgesellschaft die Chance geben, den digitalen Wandel mitzugestalten.

Die Digitalisierung wird insbesondere als ein technologisches Phänomen wahrgenommen. Dabei ist der Wandel, den wir aktuell erleben, längst kein rein technischer oder wirtschaftlicher mehr, sondern ein gesellschaftlich-sozialer. Die Digitalisierung rüttelt an allen uns bekannten gesellschaftlichen Strukturen, stellt das Miteinander in seiner heutigen Form in Frage und verändert jeden unserer Lebensbereiche. Und doch sind es vor allem wirtschaftliche Akteure, die den Kurs der digitalen Entwicklungen bestimmen. 

Die Stiftung Mercator Schweiz möchte mit dem Schwerpunkt «Digitalisierung» die Menschen in den Mittelpunkt des digitalen Wandels rücken. Der Schwerpunkt zieht sich durch die vier Themenbereiche der Stiftung. In unseren vier Themen Bildung, Verständigung, Mitwirkung und Umwelt fördern wir neben den bewährten Inhalten auch Vorhaben, die sich mit der digitalen Transformation auseinandersetzen. 

Programm «Digitalisierung + Gesellschaft»

Teil des Schwerpunkts ist das neue Programm «Digitalisierung + Gesellschaft». Drei Themen stehen im Zentrum des neuen Programms:

  1. Digitale Teilhabe
  2. Zukunftsfragen
  3. Innovationen fürs Gemeinwohl

Wir möchten die Menschen dabei unterstützen, sich aktiv in den digitalen Transformationsprozess einzubringen und mitzuentscheiden, wie die Digitalisierung die Gesellschaft verändert. Das Programm «Digitalisierung + Gesellschaft» möchte der Zivilgesellschaft eine stärkere Stimme in den aktuellen digitalen und sozialen Entwicklungen geben. Als Gesellschaft müssen wir definieren, wie wir mit dem Phänomen Digitalisierung umgehen wollen: Wie können wir die Chancen der neuen technischen Möglichkeiten zum Wohle möglichst vieler Menschen nutzen? Wo bestehen Risiken? Und in welchen Bereichen sollten wir rote Linien ziehen, um bereits erkämpfte demokratische Werte und Menschenrechte zu schützen? Diese Fragen bedürfen einer breiten gesellschaftlichen und politischen Diskussion.

Die digitale Transformation im Sinne des Gemeinwohls kann nur gelingen, wenn Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik kooperieren. Unsere Stiftung möchte die Menschen in ihren Kompetenzen stärken, damit sie die Chancen der Digitalisierung nutzen und sich aktiv in die Entwicklungen einbringen können. Um das Zusammenleben im digitalen Zeitalter erfolgreich zu gestalten, setzen wir uns für eine digitale Wertediskussion ein, an der die Zivilgesellschaft ganz entscheidend mitwirkt. Zudem engagieren wir uns für digitale Entwicklungen, die dem Gemeinwohl dienen. 

Das wollen wir im Programm erreichen  

Das Programm «Digitalisierung + Gesellschaft» hat drei Visionen formuliert: 

Digitale Teilhabe: Niemanden zurücklassen

Vision: Die Menschen in der Schweiz haben die nötigen Kompetenzen und das nötige Wissen erworben, um Chancen und Herausforderung der Digitalisierung gut einschätzen und Veränderungen positiv mitzugestalten.

Digitale Techniken fördern Veränderungen in der Art und Weise, wie wir zusammenleben, arbeiten und miteinander kommunizieren. Diese Entwicklungen führen bei vielen Menschen zu Verunsicherungen. Viele haben das Gefühl, dass sich die Welt stark verändert und sie dabei nicht mitkommen. Andere lehnen jegliche Veränderung grundsätzlich ab und sind sich nicht bewusst, dass sie sich damit selbst ins Abseits stellen. Für die Stabilität einer Gesellschaft ist es aber wichtig, dass niemand abgehängt und zurückgelassen wird. Damit keine neuen sozialen Gräben entstehen, müssen möglichst alle Teile der Gesellschaft – unabhängig von Herkunft, Lebensumfeld, Bildung, Geschlecht, sozialem Status – befähigt werden, mit der Digitalisierung Schritt zu halten. 

Zukunftsfragen: Das Zusammenleben im digitalen Zeitalter gestalten

Vision: Die Schweiz leistet einen von der Schweizer Zivilgesellschaft geprägten Beitrag zur digitalen Werte-Debatte in Europa.

Es gibt technische Entwicklungen wie soziale Netzwerke, Algorithmen, künstliche Intelligenz oder Robotik, die starke Auswirkungen auf unser gesellschaftliches Zusammenleben haben. Die Fragestellungen gehen dabei weit über die Schweiz hinaus und müssen in einem europäischen Kontext beantwortet werden. Die Schweiz kann mit ihren herausragenden Hochschulen, ihrer neutralen Grundhaltung, ihrem berühmten Pragmatismus, ihren direktdemokratischen Erfahrungen und Werten wichtige zivilgesellschaftliche Impulse zur gesamteuropäischen Debatte liefern.

Innovationen für das Gemeinwohl: Eine Digitalisierung, die der Gesellschaft dient

Vision: Gemeinwohlorientierte digitale Innovationen tragen dazu bei, die direkte Demokratie und die demokratische Mitwirkung in der Schweiz zu stärken.

Bei den meisten digitalen Innovationen stehen wirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund. Gemeinwohlorientierte Innovationen findet man fast ausschliesslich in der Open-Source- und Open-Data-Szene. «Public Interest Tech» kann einen grossen Mehrwert für gesellschaftliche Entwicklungen bringen: Technisch versiert Agierende setzen ihr Können und ihre Kompetenzen im Sinne des Gemeinwohls ein. Damit erweitert «Public Interest Tech» den Fokus des «Civic Tech»: Community-Technologien (Anwendungen und Infrastrukturen) werden entworfen, aufgesetzt und zur Verfügung gestellt mit einem Verständnis für die ethischen, rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen des technologischen Wandels. 

Auf dem Weg zur Verwirklichung dieser drei Visionen suchen wir Mitstreiter, Wegbegleiter und Partner, die uns bei der Zielerreichung mit ihren Projekten, ihren Kompetenzen, ihrem Wissen und ihren Netzwerken unterstützen. Das Programm «Digitalisierung + Gesellschaft» ist auf fünf Jahre ausgelegt und hat aktuell ein Fördervolumen in Höhe von zwei Millionen Franken pro Jahr. Im Rahmen des Programms werden keine Fördergesuche angenommen. Die Stiftung initiiert dort ausschliesslich eigene Vorhaben oder geht proaktiv auf mögliche Partner zu, um gemeinsam Projekte auf den Weg zu bringen.

Das Programm «Digitalisierung + Gesellschaft» wurde im Sommer 2019 lanciert und befindet sich im Aufbau. Wir werden an dieser Stelle laufend über die weiteren Entwicklungen informieren – und bald auch erste Projekte vorstellen.