Schwerpunkt Digitalisierung

Wir wollen der Zivilgesellschaft die Chance geben, den digitalen Wandel mitzugestalten.

Die Digitalisierung wird insbesondere als ein technologisches Phänomen wahrgenommen. Dabei ist der Wandel, den wir aktuell erleben, längst kein rein technischer oder wirtschaftlicher mehr, sondern ein gesellschaftlich-sozialer. Die Digitalisierung rüttelt an allen uns bekannten gesellschaftlichen Strukturen, stellt das Miteinander in seiner heutigen Form in Frage und verändert jeden unserer Lebensbereiche. Und doch sind es vor allem wirtschaftliche Akteure, die den Kurs der digitalen Entwicklungen bestimmen. 

Die Stiftung Mercator Schweiz möchte mit dem Schwerpunkt «Digitalisierung» die Menschen in den Mittelpunkt des digitalen Wandels rücken. Der Schwerpunkt zieht sich durch die vier Themenbereiche der Stiftung. In unseren vier Themen Bildung, Verständigung, Mitwirkung und Umwelt fördern wir neben den bewährten Inhalten auch Vorhaben, die sich mit der digitalen Transformation auseinandersetzen. 

Programm «Digitalisierung + Gesellschaft»

Teil des Schwerpunkts ist das neue Programm «Digitalisierung + Gesellschaft». Vier Themen stehen im Zentrum des neuen Programms:

  1. Digitale Selbstbestimmung
  2. Nachvollziehbare Algorithmen
  3. Digitale Öffentlichkeit
  4. Digitale Teilhabe

Der Einfluss des digitalen Wandels auf unsere Gesellschaft ist gross. Entsprechend wichtig ist es, dass die Digitalisierung von der Gesellschaft mitverhandelt wird. Daher stärkt unsere Stiftung die Stimme zivilgesellschaftlicher Organisationen im aktuellen Diskurs zur digitalen Transformation. Wir unterstützen sie dabei, den digitalen Wandel und die digitale Welt von morgen aktiv mitzugestalten. Zugleich setzen wir uns dafür ein, die digitalen Kompetenzen in der Bevölkerung zu fördern. Denn nur mit den nötigen Kenntnissen und Fähigkeiten können möglichst viele Menschen die Chancen der Digitalisierung nutzen und gesellschaftliche Entwicklungen mitprägen.

Es ist uns ein Anliegen, im Sinne der digitalen Selbstbestimmung einen verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Daten zu fördern. Darüber hinaus engagieren wir uns für nachvollziehbare Algorithmen und einen konstruktiven Diskurs im digitalen Raum. Wir möchten dazu beitragen, mithilfe digitaler Techniken, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Partizipation zu stärken. Die digitale Transformation kann nur im Sinne des Gemeinwohls gelingen, wenn Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik kooperieren.

Folgendes tun wir in den vier Themen des Programms «Digitalisierung + Gesellschaft»:

Digitale Selbstbestimmung

Wir setzen uns für einen verantwortungsbewussten und selbstbestimmten Umgang mit Daten ein.

Wenn wir uns online bewegen, hinterlassen wir Datenspuren. Wir haben kaum Kontrolle darüber, welche Daten von uns gesammelt, gespeichert und genutzt werden. Dabei sollte es in der Verantwortung jedes und jeder Einzelnen liegen, zu bestimmen, welche Informationen sie von sich preisgegeben.  Hinzukommt das Problem, dass viele Menschen sich des Werts ihrer Daten kaum bewusst sind und nicht wissen, wie diese genutzt und auch missbraucht werden können.

Uns interessieren Projekte, die:

  • den Menschen Fähigkeiten vermitteln, wie sie selbstbestimmt mit Daten umgehen, und die ihnen dabei helfen, den Wert von Daten zu verstehen.
  • nach Wegen suchen, wie die Politik den Datenschutz und die informationelle Selbstbestimmung für Individuen gewährleisten kann.
  • mit der Wirtschaft an Lösungen arbeiten, wie Unternehmen ethische Belange im Umgang mit personenbezogenen Daten berücksichtigen.
Nachvollziehbare Algorithmen

Wir setzen uns für transparente Algorithmen ein, damit nachvollziehbar wird, wie algorithmische Entscheidungen zustande kommen. 

Algorithmen treffen zunehmend wichtige gesellschaftliche Entscheidungen. Doch oftmals ist nicht nachvollziehbar, wie diese zustande kommen. Für einen gemeinwohlorientierten Einsatz von Algorithmen braucht es transparente und nachvollziehbare Entscheidungssysteme. Die Bevölkerung muss sich mit dem Einfluss von Algorithmen auseinandersetzen und deren Bedeutung offen diskutieren und moralisch sowie ethisch bewerten können.

Uns interessieren Projekte, die:

  • den Menschen die Problematik von intransparenten Entscheidungsalgorithmen näherbringen.
  • den Menschen Fähigkeiten vermitteln Algorithmen zu verstehen, um mitreden zu können.
  • gemeinsam mit Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Rahmenbedingungen oder Gütekriterien für eine bessere Nachvollziehbarkeit von Algorithmen entwickeln.
Digitale Öffentlichkeit

Wir setzen uns für einen respektvollen Umgang im digitalen Raum ein, damit Debatten konstruktiv geführt werden können.

Durch die sozialen Medien haben mehr Menschen als je zuvor die Möglichkeit, sich an öffentlichen Debatten zu beteiligen. Doch es ist nicht immer einfach, zwischen Meinung, Nachricht und Desinformationen zu unterscheiden. Hinzukommt, dass Hass im Netz viele Menschen davon abhält, ihre Ansichten mit anderen Nutzern zu teilen. Das Miteinander in der digitalen Öffentlichkeit muss neu erlernt werden.

Uns interessierten Projekte, die

  • den Menschen Fähigkeiten vermitteln, wie sie mit digitalen Informationen kompetent umgehen.
  • den Menschen Fähigkeiten vermitteln, Desinformationen zu erkennen.
  • sich für eine verantwortungsbewusste und konstruktive Debattenkultur im digitalen Raum einsetzen.
Digitale Teilhabe

Wir möchten Chancen aufzeigen, wie wir durch die Digitalisierung als Gesellschaft zusammenrücken können und wie digitale Tools die Teilhabe am politischen Prozess stärken. 

Digitale Techniken verstärken oftmals bereits existierende gesellschaftliche Ungleichheiten. Doch sie könnten auch eine Chance sein, eben diese Gräben zu überwinden und benachteiligte Bevölkerungsgruppen in die Gesellschaft zu integrieren. Zudem bietet die Digitalisierung Möglichkeiten, direktdemokratische Prozesse zu stärken, indem Stimmen von bislang ausgeschlossenen Bevölkerungsgruppen Raum bekommen.

Uns interessieren Projekte, die

  • die Chancen der Digitalisierung nutzen, um Gräben in der Gesellschaft zu überbrücken.
  • die Menschen dazu ermutigen (neue) digitale Tools für die Beteiligung am demokratischen Prozess zu nutzen.
  • mit Politik und Zivilgesellschaft an Rahmenbedingungen arbeiten, um allen Bewohner.innen der Schweiz eine demokratische Partizipation über digitale Plattformen zu ermöglichen.

Um unsere Ziele zu erreichen, suchen wir Mitstreiter.innen, Wegbegleiter.innen und Partner.innen, mit denen wir gemeinsam Vorhaben realisieren. Das Programm «Digitalisierung + Gesellschaft» ist auf fünf Jahre ausgelegt und hat aktuell ein Fördervolumen von zwei Millionen Franken pro Jahr. Im Rahmen des Programms werden keine Fördergesuche angenommen. Die Stiftung initiiert im Programm eigene Vorhaben und sucht proaktiv die Kooperation mit Partner.innen, um gemeinsam Projekte auf den Weg zu bringen.

Das Programm «Digitalisierung + Gesellschaft» wurde im Sommer 2019 lanciert. Bald werden wir an dieser Stelle weitere Projekte vorstellen.